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Donnerstag, 3. August 2023

UKRAINE-KRIEG: „Manifest für Frieden“ - Alice Schwarzer und Sarah Wagenknecht - Petition - Update…

 Seestadtpresse Bremerhaven - 3. August 2023 - UKRAINE-KRIEG: Hier ist das Update zur Petition „Manifest für Frieden“ von Alice Schwarzer und Sarah Wagenknecht… - Sehr wichtig ist der Link zu einem Text von Helmut Scheben (am Ende des Textes) über die erschütternde Einseitigkeit und Eindimensionalität der sogenannten Qualitätsmedien bei der Kommentierung der Ereignisse in der Ukraine…

EMMA 3. AUG. 2023 — 

Vom 10. Februar bis heute haben 850.000 BürgerInnen das von Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht initiierte „Manifest für Frieden“ unterzeichnet. Zusammen mit dem „Offenen Brief“ vom 29. April 2022 an Bundeskanzler Olaf Scholz sind es inzwischen schon 900.000 Unterschriften. Doch der Kanzler hält es noch nicht einmal für nötig, zu antworten. Das Töten in der Ukraine auf allen Seiten geht derweil munter weiter. Und die Verwandlung der Ukraine in verbranntes Land ebenso. Um die 300.000 Toten sollen es mittlerweile sein – die genauen Zahlen erfahren wir nicht. Eine ganze Generation junger Männer wird nicht mehr da sein. Nun wurde auch noch der Weg für die international geächtete Streumunition freigemacht. Und jetzt debattieren PolitikerInnen der Ampel allen Ernstes über die Lieferung von Marschflugkörpern und Langstreckenraketen. Wo aber bleiben die diplomatischen Initiativen, um dem Grauen ein Ende zu machen? Verhandlungen über Waffenstillstand und Friedenspläne? Und warum spielt das Manifest in den Leitmedien keine Rolle mehr? Der Journalist Helmut Scheben hat eine Erklärung dafür. 

https://www.emma.de/artikel/so-verlor-ich-den-glauben-die-etablierten-medien-340467


Montag, 18. Januar 2016

"Mieter raus, Flüchtlinge rein" - Empörend - oder?

Seestadtpresse Bremerhaven - "Mieter raus, Flüchtlinge rein" - so lautet der Aufmacher des Lokalteils im heutigen Weser-Kurier (18. Januar 2016). Darunter steht: "Eine Akademie und zehn Parteien müssen... einem Übergangswohnheim weichen".

Der erste Gedanke beim Lesen: So weit musste es kommen: Normale Mieter werden vertrieben, weil Flüchtlinge massenhaft ins Land strömen.


 
Wer aber den Text liest, findet einen ganz anderen Hintergrund: Die geschäftstüchtige Bremer Immobilienagentur Asset will mit Flüchtlingen höhere Gewinne machen als mit den normalen Mietern.

Aber warum steht nicht in der Überschrift: "Gierige Geschäftemacher vertreiben Mieter"?

Weil Geschäftemacherei mittlerweile bei uns zu etwas so Normalen gemacht worden ist, dass damit alles gerechtfertigt wird! Kann nicht jeder einen Vermieter verstehen, der die alte Oma vertreibt, um die Immobilie zu Luxuswohnungen zu machen? Das bringt halt mehr Geld in die Kasse... Ist doch normal, gelle?

Diese Sichtweise wird im Text sogar ausdrücklich erwähnt. "Wirtschaftlich kann ich den Vermieter verstehen", erläutert einer der vertriebenen Mieter, "er wird mit Flüchtlingen eine deutlich höhere Rendite erzielen." Wen macht er verantwortlich? Die öffentliche Hand, weil sie "solche Anreize" setzt "und die Eigentümer dann natürlich (!!!) entsprechend handeln".

Was mich empört: Mit der Überschrift "Mieter raus, Flüchtlinge rein" befördert der Weser-Kurier eine politisch immer weiter nach rechts kippende öffentliche Stimmung, die in der großen Not so vieler  Menschen nur noch eine "uns" über Gebühr belastende "Flüchtlingskrise" sehen will und die deshalb Maßnahmen gegen die "Flüchtlingsflut" fordert und so weiter, und so weiter...

Wohlgemerkt: Der Text im Weser-Kurier ist in Ordnung. Dort wird erläutert, was geschehen ist und was geschehen soll. Aber die Überschrift gibt dem Ganzen einen Dreh, der die aktuelle politische Stimmungsmache gegen Flüchtlinge noch weiter anheizt.

Deshalb finde ich die Überschrift so empörend...

Donnerstag, 22. September 2011

So lassen sich Journalisten kaufen - Das NDR-Medienmagazin "Zapp" zeigt, wie es geht...

Seestadtpresse Bremerhaven - Die Käuflichkeit und Unbedarftheit von Journalisten liefert den Stoff für einen interessante Beitrag des NDR-Medienmagazins "Zapp".

In seiner Ausgabe vom 21. September 2011 zeigt "Zapp" am Beispiel von Autojournalisten, wie deren "Gewogenheit" mit Rundumbetreuung durch die Konzerne herbeigezaubert wird.


Weiter im Text geht es durch einen >>>Klick an dieser Stelle.

Mittwoch, 17. August 2011

Bürgerliches Lager mit überraschender Kapitalismuskritik - Text von Frank Schirrmacher und Charles Moore...

Seestadtpresse Bremerhaven - Wer staunen möchte über kritische Stimmen aus dem bürgerlichen Lager, die sich mit den Auswüchsen des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus beschäftigen, findet dazu aktuell zwei geradezu dramatische Beispiele - Texte von Frank Schirrmacher in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und von Charles Moore in The Telegraph.

Weiter im Text geht es durch einen Klick an dieser Stelle.

Donnerstag, 14. April 2011

Koofmichs in der deutschen Presse - Ein Bericht des NDR-Magazins "Zapp"...

Seestadtpresse Bremerhaven - Das NDR-Medienmagazin "Zapp" profiliert sich wieder einmal mit einem interessanten Bericht. Dieses Mal geht es um die Koofmichs in der deutschen Presse.

Bis heute spricht mensch von "Schleichwerbung", wenn nicht gleich zu erkennen ist, ob es sich beim Gedruckten um das Arbeitsergebnis einer unabhängigen Redaktion oder um bezahlte Werbung für irgendetwas oder irgendwen handelt.

Der Anzeigencharakter eines Textes oder einer Beilage müsse für Leserinnen und Leser auf den ersten Blick erkennbar sein, betont der befragte Professor für Kommunikationsrecht. Sonst liege ein Verstoß gegen das Presserecht vor.

Wie die Tricks der Verlage funktionieren?

Es steht über der (in Wirklichkeit bezahlten) Werbung ziemlich klein der (harmlos klingende) Hinweis, dies sei eine "Sonderveröffentlichung des Verlags" oder eine "Anzeigensonderveröffentlichung". Die Aufmachung ähnelt in solchen Fällen stark den anderen Seiten in der Zeitung, und so wird die Leserschaft hereingelegt.

Basis dieses Zapp-Berichts waren verdeckte Recherchen des taz-Redakteurs Sebastian Heiser.

Zeitungsleserinnen und -leser in Bremerhaven können ja einmal darauf achten, wann die Nordsee-Zeitung ihre nächste bezahlte "Sonderwerbeform" präsentiert.

Wie gesagt, nach Auskunft des Experten muss der Werbecharakter auf den ersten Blick erkennbar sein, sonst handelt es sich um einen Verstoß gegen das Presserecht...

Und was auch nicht vergessen werden darf: Es gibt auch noch andere Formen der Schleichwerbung, beispielsweise wenn eine Verlegerin oder ein Verleger bestimmte politische oder ökonomische Präferenzen hat und dafür sorgt, dass die Redaktion auch entsprechend berichtet.

Und Schleichwerbung findet auch statt, wenn beispielsweise durch Weisung von oben dafür gesorgt wird, dass über manche Geschehnisse in einer Stadt gar nicht berichtet wird oder nicht kritisch berichtet wird. Denn als Folge der fehlenden Kritik stehen Personen oder Einrichtungen in der Öffentlichkeit besser da, als sie es bei ehrlicher Betrachtung verdienen.

Schleichwerbung dieser Art ist ebenfalls keine Seltenheit. In Bremerhaven wissen manche Menschen ganz gut darüber Bescheid...

Dienstag, 5. April 2011

Unscharfe Blicke von Journalisten - Dahinter steckt ihre gedankliche Verwicklung in eine ständige Abfolge von Kleinkram...

Seestadtpresse Bremerhaven - "Journalists are unable, seemingly, to discriminate between a bicycle accident and the collapse of civilization" - diese Bemerkung des Dichters George Bernard Shaw klingt auf den ersten Blick etwas merkwürdig.

Shaw auf Deutsch: "Journalisten sind offensichtlich unfähig zwischen einem Fahrradunfall und dem Zusammenbruch der Zivilisation zu unterscheiden."

Mir scheint das sehr logisch, weil Journalisten jeden Tag in einem Strom immer neuer Kleinkram-Meldungen herumzupaddeln haben. Am Ende sollen sie darüber immer wieder irgendeinen Text zusammenbasteln, der auch noch das Neue und Aufregende an einem Ereignis zu betonen hat.

Die Folge: Sie formulieren ständig Stückwerk, ohne die dahinter steckenden Zusammenhänge wahrnehmen zu können, geschweige den diese Zusammenhänge in ihre Berichterstattung einfließen zu lassen.

Wer Lust hat, diesen Gedanken etwas genauer zu verfolgen, kann eine sehr eindrucksvolle Rede des Journalisten Bill Moyers, der sich mit dem großen amerikanischen Historiker Howard Zinn auseinandersetzt und mit dem oben zitierten Satz von George Bernard Shaw beginnt.

Und er macht deutlich, dass der Historiker Zinn sehr dabei geholfen habe zu begreifen, dass große Veränderungen durch kleine Handlungen in Gang kommen können ("Howard famously helped us see how big change can start with small acts.")

Und Journalisten berichten eben ständig nur über die kleinen Handlungen, ohne die Zusammenhänge zu begreifen.

Gelegentlich scheinen sie nicht einmal zu begreifen, wenn ein gewaltiger Bruch in einer gewachsenen Zivilisation zu beobachten ist, weil das alltägliche Nachrichtengeschäft alles übertüncht.

Dienstag, 15. März 2011

Boykott der Bild-Zeitung in Hamburg-Ottensen - Verkauf wegen Sarrazinisierungen eingestellt...

Seestadtpresse Bremerhaven - Manche Kioskbesitzer sind offensichtlich sehr aufmerksam und konsequent, wenn es um die Qualität der verkauften Produkte geht.

Im Hamburger Stadtteil Ottensen traf diese Konsequenz im Herbst vergangenen Jahres die Bild-Zeitung, als ein Kioskbesitzer das Schmuddelblatt aus seinen Auslagen verbannte.


Der Kioskbesitzer berichtet von interessanten Erfahrungen. Zwar seien die Bild-Leser weggeblieben, aber es seien genau aus diesem Grund neue Kunden hinzu gekommen. Geschäftlich bezeichnet er seine Aktion daher mit dem Begriff "Plus-Minus-Null".

Seine Begründung für die Aktion: Nach der unsäglichen Sarrazin-Debatte mit extrem rassistischen und ausländerfeindlichen Äußerungen in der Zeitung musste einfach mal ein Schlussstrich gezogen werden.

Über diese und andere Boykott-Aktivitäten gegen die Bild-Zeitung berichteten die taz am 12. September 2010, das NDR-Fernsehen im Zapp-Magazin am 29. September 2010 und zahlreiche Blogger im Internet an verschiedenen Orten, beispielsweise hier.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Jetzt berichtet auch der Spiegel über die heftige Kritik an der israelischen Politik, wenn auch sehr versteckt...

Seestadtpresse Bremerhaven - Etwas zaghaft versteckt in einem längeren Text, aber immerhin: Jetzt kommt auch Spiegel Online am 13. Dezember 2010 mit Informationen über den Brief, in dem "26 frühere europäische Spitzenpolitiker die Europäische Union aufrufen, im Nahostkonflikt mehr Druck auf Israel auszuüben", so die Botschaft des "in einem schroffen Ton verfassten" Briefs.

Laut Spiegel Online verlangen die Unterzeichner, "Israel schon beim nächsten EU-Gipfel am kommenden Donnerstag in Brüssel ultimativ aufzufordern, den Bau von Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten einzustellen. 'Israels andauernde Siedlungsaktivität ist lebensbedrohlich für die Aussicht auf die Gründung eines souveränen, lebensfähigen Staates Palästina', heißt es in dem Brief. Die EU solle a uch Sanktionen und Boykotte in Betracht ziehen, um Israel zur Einstellung des Siedlungsbaus zu bringen." (Hervorhebung DK)


Spiegel Online berichtet, linksliberale Kommentatoren in Israel begrüßten den "neuen, scharfen Wind aus dem Westen", wie Kolumnist und Siedler-Experte der Zeitung "Haaretz" den zu beobachtenden Trend nennt. "Israel hat nicht verstanden, dass es für sehr lange Zeit sehr viel umsonst bekommen hat", sagte Eldar gegenüber Spiegel Online. Die USA hätten Jerusalem unendlich viel durchgehen lassen, doch nun scheine die Ära der Toleranz sich dem Ende zuzuneigen. 

In der Süddeutschen Zeitung, der taz, dem stern usw. war in den Online-Ausgaben weiterhin nichts von diesem Donnerschlag der europäischen Spitzenpolitiker zu vernehmen.

Bleibt abzuwarten, ob dieses Stillschweigen bereits mit der PR-Offensive der israelischen Botschaften zusammenhängt, über die die israelische Zeitung Haaretz am 28. November 2010 berichtete...

Montag, 13. Dezember 2010

Heftige Kritik an israelischer Politik bleibt in der deutschen Presse weitgehend unbeachtet - Brief von Helmut Schmidt, Romano Prodi und anderen...

Seestadtpresse Bremerhaven - "Das Scheitern der USA, Israel zu einer einer Erneuerung des Siedlungsbaustopps zu bewegen, wirft hohe Wellen. In einem ungewöhnlichen Brief rufen 26 ehemalige europäische Staatsoberhäupter, Minister und Vorsteher von europäischen Organisationen die EU dazu auf, gegen Israel auf verschiedenen Ebenen vorzugehen" - mit diesem Satz beginnt ein Bericht der schweizerischen Zeitung "20 Minuten online", der am 10. Dezember 2010 veröffentlicht wurde (Hervorhebung DK).

Zu diesen prominenten Briefschreibern in Sachen Israel gehören unter anderem Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt, Javier Solana, Felipe Gonzalez und Romano Prodi - in der internationalen Politik sicherlich nicht gerade als Leichtgewichte einzustufen.

Trotzdem sind in der europäischen und insbesondere in der deutschen Presse bisher nur sehr wenig Berichte über diesen Brief zu finden (zu den Ausnahmen zählen die BBC vom 10. Dezember 2010, der "eu observer" vom 10. Dezember 2010, der Guardian am 10. Dezember 2010, die israelische Zeitung Haaretz am 10. Dezember 2010, die Berliner Zeitung Neues Deutschland am 11. Dezember 2010 und die Berliner Tageszeitung "junge Welt" vom 13. Dezember 2010).

Formuliert und an die EU-Spitze übermittelt wurde der Brief bereits Mitte November 2010. 

Sehr merkwürdig, das Schweigen der vielen anderen Zeitungen.

Oder auch nicht, denn die Briefschreiber äußern sich eben sehr kritisch gegenüber der aktuellen israelischen Palästina-Politik, und das ist für sehr viele deutsche Zeitungen offensichtlich ein allzu heikles Thema.

«Die EU macht seit Jahrzehnten unmissverständlich klar, dass sie die Siedlungen in den besetzten Gebieten als illegal erachtet, doch Israel baut sie weiter. Wie jedes andere Land sollte Israel für seine Handlungen zur Verantwortung gezogen werden. Die Glaubwürdigkeit der EU steht auf dem Spiel.» So zitiert "20 Minuten" aus dem Brief.

Und so bringt "20 Minuten" die Botschaft des Briefes auf den Punkt: "In letzter Konsequenz raten die ehemaligen Politiker der EU-Führung, das zu machen, was die USA nicht können oder nicht wollen: Israel zu bestrafen, wenn das Land sich den Forderungen der internationalen Staatengemeinschaft widersetzt. Nicht mit Anreizen, wie es zuletzt die USA versuchten, sondern mit Strafen soll Israel zum Einlenken bewegt werden." (Hervorhebung DK)

Bleibt abzuwarten, ob sich die deutsche Presse noch viel länger vor einer Berichterstattung über diesen Brief und vor einer Diskussion über die geäußerten Forderungen drücken kann.

Es ist natürlich denkbar, dass die ganze Geschichte mit dem Brief der alten Staatsmänner und -frauen eine Lügengeschichte ist, vor der sich die Medien mit Recht drücken.

Falls die Sache aber doch wahr sein sollte, dann müssten sich die Medien mit ihrer Nicht-Berichterstattung lügenhaftes Verhalten vorhalten lassen. Schließlich hängt das Verschweigen der Wahrheit ganz eng mit dem Lügen zusammen.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Arbeitslosigkeit in Bremerhaven im Jahresvergleich gestiegen - Nordsee-Zeitung wählt lieber eine positiv klingende Überschrift aus...

Seestadtpresse Bremerhaven - Mit ihren Überschriften setzt die Nordsee-Zeitung (NZ) gelegentlich ebenso merkwürdige Akzente wie mit ihren Statistiken.

"Wieder mehr freie Stellen gemeldet", titelt die NZ im Lokalteil der Ausgabe vom 1. Dezember 2010. Und im Untertitel heißt es: "Arbeitslosigkeit verharrt bei elf Prozent im Arbeitsamtsbezirk".

Nordsee-Zeitung vom 1. Dezember 2010, Seite 10 (Lokalteil)

Diese Feststellungen sind zwar richtig, aber sie picken sich einen einzelnen Aspekt sowie einen sehr kurzfristigen Vergleichszeitraum heraus. Wer nämlich den langfristigen Vergleich mit demselben Monat des Vorjahres (also mit November 2010) wählt, entdeckt einen Anstieg der Arbeitslosenzahl um mehr als tausend Menschen - von 10.630 auf 11.769. Das ist für den gesamten Arbeitsamtsbezirk, zu dem außer der Stadt Bremerhaven auch der Altkreis Wesermünde gehört, eine Steigerung um gut 10 Prozent.

Könnte es sein, dass diese deutliche Zunahme der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr eine wichtigere Botschaft ist als der Hinweis auf die gestiegene Zahl der offenen Stellen?

Darüber lässt sich mit Recht streiten.

Aber nicht zu bestreiten ist die Tatsache, dass die Überschrift "Wieder mehr freie Stellen gemeldet" sich erheblich besser anhört als die Überschrift "Wieder mehr Arbeitslose gemeldet".

Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass alle diese Angaben im Text sehr wohl korrekt und differenziert angesprochen werden.

Etwas merkwürdig kommt auch die Statistik auf der Titelseite der Nordsee-Zeitung daher.

Nordsee-Zeitung 1. Dezember 2010, Seite 1

Dort wird für die Stadt Bremerhaven eine gleich bleibende Quote von 16,4 Prozent gemeldet. Wer näher hinsieht, kann aber erkennen, dass hier wieder nur der kurzfristige Vergleich zum Vormonat gewählt wurde.

Hätte die Nordsee-Zeitung die Daten von November 2010 und November 2009 verglichen, dann müsste sie die Lage deutlich negativer beschreiben: Denn für die Stadt Bremerhaven ist die Arbeitslosenquote im Jahresvergleich von 14,4 Prozent auf 16,4 Prozent nach oben geklettert.

Nur durch die Wahl des kurzfristigen Vergleichs zum Vormonat kommt die positive Meldung zustande. Auffällig ist, dass in derselben Statistik die Arbeitslosenquote für das Bundesgebiet nicht nur kurzfristig mit dem Vormonat, sondern auch langfristig mit dem Vorjahresmonat verglichen wird.

Das zeigt, dass die Arbeitslosigkeit in der Stadt Bremerhaven gegen den Trend im Bundesgebiet angestiegen ist. Im Bundesgebiet sank die Arbeitslosigkeit in dieser Zeit nämlich von 7,6 auf 7,0 Prozent.

Montag, 29. November 2010

Weser-Kurier-Geschäftsführung soll "Tarifflucht" rückgängig machen - Forderung von ver.di-Kolleginnen und -Kollegen...

Seestadtpresse Bremerhaven - Die Entscheidung der Verlagsleitung der Bremer Tageszeitungen AG (BTAG), Teile der Belegschaft aus der vertraglichen Tarifbindung herauszunehmen, wird in einer Erklärung norddeutscher ver.di-Betriebsräte heftig kritisiert.

"Wir sind betroffen und bestürzt über diese Nachricht", heißt es in einem Brief vom 20. November 2010 an alle Beschäftigten der Bremer Tageszeitungen AG.

Und weiter: "Aber wir sind selbst als Arbeitnehmervertreter tätig und wissen, was jetzt zu ist: Sich wehren, Kopf hoch und vereint mit allen Kolleginnen und Kollegen 'NEIN' sagen."

Die Entscheidung der BTAG-Geschäftsführung wird in dem Brief als "Respektlosigkeit gegenüber den Kolleginnen und Kollegen" charakterisiert. Diese Entscheidung symbolisiere "die seit längerer Zeit zu beobachtende Abkehr von sozialer Verantwortung und einer von Anstand geprägten Unternehmenskultur".

Der Appell: "Wehrt Euch gemeinsam gegen die Angriffe auf die Verbindlichkeit Eurer Tarifverträge. Lasst Euch nicht zu Bittstellern machen, die zukünftig von der Laune des Vorstandes abhängig sind, über Jahrzehnte erkämpfte tarifliche Leistungen zu müssen."

Donnerstag, 25. November 2010

Terrorwirrwarr in den deutschen Medien - Nordsee-Zeitung in der Wirrnis wieder mittenmang...

Seestadtpresse Bremerhaven - Grelle Spekulationen über angebliche Terrorgefahren und ein munteres Spiel mit den Ängsten der Bevölkerung - daran beteiligten sich in den vergangenen Tagen die meisten deutschen Medien.

Auch die Nordsee-Zeitung in Bremerhaven spekulierte und spielte  entschlossen mit über "Attentate", "Terror-Angst" und "El-Kaida".

Reichlich nebulöses Terrorgefasel in der Presse - auch die Nordsee-Zeitung wollte sich die Chancen offensichtlich nicht entgehen lassen...
Der große Widerspruch zwischen riesiger Angstmacherei und mickeriger Faktenlage war auffällig und reichte gelegentlich bis in die einzelnen Zeitungen hinein.

So hievte die Nordsee-Zeitung am 24. November 2010 die Schlagzeile "Terror-Angst befeuert Sicherheitsdebatte" auf die Titelseite, während sie gleichzeitig auf Seite 3 vom "Hohn und Spott im Netz über die Terroristenjagd" berichtete.

Einen ganz aufschlussreichen Überblick über "Medien und Minister im Terrorwahnsinn" lieferte am 24. November 2010 das NDR-Medienmagazin "Zapp".

Donnerstag, 18. November 2010

Medien sichern Machtpositionen unserer Eliten - Interessen der Mehrheit spielen kaum noch eine Rolle...

Seestadtpresse Bremerhaven - Der Publizist Albrecht Müller, unter anderem Initiator der Nachdenkseiten, beschäftigt sich in seinem neuen Buch "Meinungsmache. Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen" mit der medialen Erzeugung des Gedankengespinstes, das die Machtpositionen unserer Eliten absichert.

Ein kurzer Auszug aus der Vorbemerkung von Albrecht Müller:

"Wer über viel Geld und / oder publizistische Macht verfügt, kann die politischen Entscheidungen massiv beeinflussen. Die öffentliche Meinungsbildung ist zum Einfallstor für den politischen Einfluss der neoliberalen Ideologie und der damit verbundenen finanziellen und politischen Interessen geworden. In einer von Medien und Geld geprägten Gesellschaft ist das zum Problem der Mehrheit unseres Volkes geworden, zum Problem des sogenannten Mittelstands und vor allem der Arbeitnehmerschaft und der Gewerkschaften, denn diese Mehrheit und ihre Interessen werden zunehmend kaltgestellt. Das erklärt die breite und wachsende Kluft zwischen den Interessen der Mehrheit und den von oben eingeleiteten politischen Entscheidungen."

Das ist selbstverständlich nichts als eine sehr allgemeine Zusammenfassung der Lage, die sich aber auch an lokalen Presseerzeugnisse wie der "Nordsee-Zeitung" ganz gut erkennen lässt. Im Buch "Meinungsmache" gibt es dazu mehr Stoff - das zeigen schon die Leseproben, die hier anzusteuern sind.

Aktuelle Beispiele für das Versagen vieler Medien sind immer wieder auf den Nachdenkseiten zu finden, beispielsweise hier.

Mittwoch, 17. November 2010

Unternehmerlobby des Bremer Tabak-Collegiums mit sehr ausgewählten Gästen - Pressevertreter nur von der politischen Rechten?

Seestadtpresse Bremerhaven - "Das Bremer Tabak-Collegium ist eine in den 1950er Jahren von Bremer Kaufleuten begründete Gesprächsrunde zu Themen der Zeitgeschichte mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur", lautet ganz harmlos der Einleitungssatz bei Wikipedia.

Es handle sich um eine "freie Gesprächsrunde", zu der "Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens" eingeladen würden, "um sich miteinander im liberalen Geist über aktuelle Themen auszutauschen". Es sei "eine reine Herrenrunde, die sich der Pflege bremischer Tradition und Kultur verpflichtet fühlt". Und weiter: "Die Collegien finden zweimal im Jahr an stets wechselnden Orten in Deutschland aber auch in EU-Staaten statt. Sie dienen der Pflege der Beziehungen Bremens."

Das Tabak-Collegium unterhält eine eigene Webseite. Dort werden die Zusammenkünfte dokumentiert, einschließlich der Gästelisten.

Auch die bekannten bremischen Politikgestalter wie Henning Scherf, Jens Böhrnsen, Josef Hattig, Heiner Heseler, Ralf Nagel, Jörg Kastendiek, Thomas Röwekamp und Jörg Schulz  tauchen selbstverständlich auf diesen Gästelisten auf.

Man nehme als Beispiel die Gästeliste der 162. Zusammenkunft am 19. September 2006 im Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

An diesem Tag durften laut Liste aus Bremerhaven nur Oberbürgermeister Jörg Schulz und Ingo Kramer als Präsident der Unternehmensverbände im Land Bremen teilnehmen.

Im Kreise der Unternehmer, Richter, Anwälte, Wissenschaftler, Unternehmensberater und anderer Geschäftsleute waren auch Politiker vertreten, darunter Bundesminister Wolfgang Schäuble, Ministerpräsident Georg Milbradt, der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und Ex-Bundesminister Rupert Scholz.

In dieser honorigen Versammlung deutschen Führungspersonals waren zwei Vertreter der Presse mit dabei - der seinerzeitige Chefkorrespondent der Tageszeitung Die Welt und der Chefredakteur der Wochenzeitschrift Junge Freiheit.  

Über die Junge Freiheit schreibt Wikipedia sehr vorsichtig, das Blatt verstehe sich "als unabhängiges, konservatives Medium".

Manche Wissenschaftler ordneten diese Zeitung allerdings "als Sprachrohr der Neuen Rechten sowie als Medium mit 'Scharnier-' oder 'Brückenkopf'-Funktion zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus ein".


Manchmal sind Blicke auf solche Gästelisten ganz interessant, weil man eine Ahnung bekommt, in welchen personellen und geschäftlichen Geflechten die wichtigen politischen Entscheidungen in unseren Regionen heranwachsen oder beeinflusst werden...

Dienstag, 9. November 2010

"Deutscher Tourismuspreis": Auch der zweite Text in der Nordsee-Zeitung ist ein fast wortgetreuer Nachdruck einer Pressemitteilung - Trauriger Verlautbarungsjournalismus geht weiter...

Seestadtpresse Bremerhaven - Monopolisten können fast sicher sein, dass ihnen kaum jemand auf die Schliche kommt, wenn sie Unsinn verzapfen oder Nachlässigkeiten praktizieren. Auch die Nordsee-Zeitung nutzt ihre Monopolstellung immer wieder aus.

Ein weiteres Beispiel dafür liefert der angeblich so bedeutsame, tatsächlich aber weitgehend unbekannte "Deutsche Tourismuspreis", den die Havenwelten in der Konkurrenz gegen ein Jugendprojekt auf der Insel Rügen nicht gewinnen konnten.



Warum nur haben die vielen hundert Millionen Euro gegen ein paar zehntausend verloren? Wer in der Nordsee-Zeitung Antwort auf solche kritischen Fragen sucht, sucht immer häufiger vergeblich.

Denn in der Nordsee-Zeitung vom 6. November 2010 wird erneut eine Pressemitteilung abgedruckt. Die letzte kam vom Magistrat, diese stammt von der Bremerhavener Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS.

"Havenwelten beste Destination beim Deutschen Tourismuspreis", formuliert die BIS ziemlich trickreich, denn da wird ein Preisgewinn suggeriert, den es überhaupt nicht gab.

Und dann wird es in der BIS-Pressemitteilung nicht nur noch trickreicher, sondern endgültig lügenhaft: "Erbauer und Betreiber der Havenwelten feiern in Essen den Tourismus-Oskar". 

Schließlich feiert hier nur der Verlierer im Wettbewerb um den angeblichen Tourismus-Oskar gemeinsam mit dem Sieger, und das wird in der Formulierung von der gemeinsamen Feierei ziemlich plattköpfig verschleiert.

Für die Redaktion der Nordsee-Zeitung spielen solche Fragen von Propaganda und Wahrheit offensichtlich keine Rolle. Sie druckt den Text der BIS-Pressemitteilung fast wortgetreu ab. Nur am Anfang wird etwas eingefügt, und der letzte Absatz fehlt.

Verlautbarungsjournalismus hat zwar nicht mehr viel mit der eigentlichen Aufgabe des Journalismus zu tun, aber er ist eindeutig billiger.

Das ist vielleicht wahr, aber auch sehr traurig.

Montag, 8. November 2010

Der deutsche Journalismus als "gläubiger Diener des Mainstreams" - Traurige Bilanz der Berichterstattung über die große Finanzkrise in eine Studie für die Otto-Brenner-Stiftung...

Seestadtpresse Bremerhaven - Den aktuellen Ereignissen hinterher hecheln statt ihre Hintergründe zu erläutern - so charakterisiert eine Studie im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung den deutschen Wirtschaftsjournalismus während der jüngsten großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Es sei wenig brauchbare Information und viel Desorientierung geboten worden.

Oder etwas anders ausgedrückt: "Der tagesaktuelle deutsche Wirtschaftsjournalismus ist ein gläubiger Diener des Mainstreams, kein kritischer Träger der Aufklärung." 

Wem bei einer solchen Aussage die Bremerhavener Nordsee-Zeitung einfällt, dürfte der Wahrheit ziemlich nahe kommen.

Autoren der Studie sind Dr. Hans-Jürgen Arlt und Dr. Wolfgang Storz. Der Titel ihrer Arbeit, die von der Otto-Brenner-Stiftung als Band 63 der Arbeitshefte herausgegeben wurde, lautet "Wirtschaftsjournalismus in der Krise. Zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik".

Viel zu sehr im Vordergrund der Berichterstattung stehen laut Analyse von Arlt und Storz die Verlautbarungen der Regierung und der Banken selbst, denen damit die Deutungshoheit der Krise überlassen wird.

Zwar gibt es erkennbare Unterschiede zwischen den großen Zeitungen wie FAZ, Süddeutsche Zeitung und taz, aber insbesondere in der Anfangsphase der großen Krise kommt die kritische Beurteilung bei allen viel zu kurz.

Statt dessen beobachten die Autoren eine Nachrichtenproduktion in der Art eines "Informationswühltisches", der durch "Faktensammlerfleiß und Reflexionsfaulheit" gekennzeichnet sei. Erst in der Schlussphase der Krise ändert sich ihrer Meinung das Bild ein wenig, und es kommt zu einem gewissen Perspektivenwechsel.

Als besonders schlecht beurteilen die Autoren die journalistische Arbeit der ARD (Tagesschau und Tagesthemen) und der Presseagentur dpa.

Da die Agentur dpa in großem Ausmaß die kleineren regionalen Zeitungen wie die Nordsee-Zeitung beliefert, sieht dort die Berichterstattung über die Finanzkrise auch besonders traurig aus.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie ist auch auf den Nachdenkseiten unter dem Datum 30. März 2010 nachzulesen.

Samstag, 6. November 2010

Nordsee-Zeitungs-Verlag dreht dem Magazin "Deichhelden" den Hals ab - Ein Bericht im Blog "Na Blogo"...

Seestadtpresse Bremerhaven - Über das klammheimliche Ende des kuriosen Magazins "Deichhelden" aus dem provinziellen Verlagshaus Ditzen berichtet Frank Miener in seinem Blog "Na Blogo" am 6. November 2010.

Beim Klick auf "www.deichhelden.de" erscheint nun die Nordsee-Zeitung mit ihrem nicht gerade begeisternden und aktuellen Internet-Auftritt.

Ein Verlust sei das nicht gerade, meint er, denn zum Schluss hätten die Ditzens das Magazin in eine "Zweitverwertungsmaschine des Mutterblatts" verwandelt. Dort seien "Jugend-und-Schul-Beiträge, Sport und etwas mehr" veröffentlicht worden, etwa "der übliche dpa-Boulevardkrams, den man überall bekommt und Film-News von teleschau.de".

Freitag, 5. November 2010

Selbst fabrizierte Lobhudeleien für die Bremerhavener Havenwelten - Nordsee-Zeitung lobt auftragsgemäß wacker mit...

Seestadtpresse Bremerhaven - "Applaus für die Havenwelten" lautet die Schlagzeile der Nordsee-Zeitung am 5. November 2010. Auch wenn es beim Deutschen Tourismuspreis nicht ganz zum ersten Platz reichte, verbuchen die Propagandisten der Havenwelten die Auszeichnung als "tollen Erfolg" und "unschätzbaren Imagefaktor" für Bremerhaven.

Stifter dieses Preises ist der Deutsche Tourismusverband (DTV). Wikipedia fasst die Informationen so zusammen:

"Der Deutsche Tourismusverband e. V. (DTV) ist eine Lobbyorganisation in der deutschen Tourismuspolitik sowie Beratungs- und Koordinationsstelle der nationalen Tourismuswirtschaft. Er stellt den Dachverband kommunaler, regionaler und landesweiter Tourismusorganisationen dar und setzt sich für eine touristische Entwicklung in Deutschland ein. Der Verband ist beratend, zertifizierend und koordinierend in vielen Bereichen des Qualitätstourismus tätig." (Hervorhebungen DK)


Die "zwölfköpfige Jury aus Wirtschaft, Tourismus, Wissenschaft und Medien" ist also aus den Reihen und dem Umfeld dieser Lobbyorganisation besetzt.

Finanziell gefördert wird der Deutsche Tourismuspreis  nach Angabe des DTV "von der Sparkassen-Finanzgruppe, Sparkassen aus Niedersachsen, Ostdeutschland, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein mit dem Sparkassen-Tourismusbarometer. Mit dem ADAC e.V. und Ameropa-Reisen GmbH konnten zudem neue Partner gewonnen werden."


Der Preis wird also unter anderem gestiftet und gefördert von Akteuren, die sich beim Durchsetzen der Projekte als Lobbyorganisationen der heimischen Unternehmerschaft betätigt haben und die mit Hilfe solcher Projekte Geld verdienen. 


Es ist also durchaus denkbar, den Tourismuspreis nicht nur als Eigenlob, sondern auch als pure Werbeveranstaltung zu charakterisieren.


Auch dieses Spiel mit Eigenlob und PR spielt die Nordsee-Zeitung mit, weil sie unter der Oberaufsicht einer IHK-Vizepräsidentin gar nicht anders kann und darf. Das war schon immer ein wichtiger Kern unserer Pressefreiheit.


Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang an den angeblichen "Architektur-Oscar", den die Havenwelten zu Anfang des Jahres 2009 gewonnen haben, sowie an ein angeblich wunderbares Lob für die Havenwelten in der Zeitschrift "Baukultur".

Die Seestadtpresse erläuterte unter dem Datum 4. Februar 2009 die Hintergründe dieses kuriosen Preises, der an 114 (!) Antragsteller verliehen wurde.

Und das große Lob in der Zeitschrift "Baukultur" stammte aus der Bremerhavener Bewerbung für den Deutschen Städtepreis und wurde von BEAN-Chef Dr. Alfred Lüneburg eigenhändig noch ein wenig eingekürzt.

Auch dieses selbst fabrizierte Eigenlob für die Havenwelten wurde seinerzeit von der Nordsee-Zeitung ohne Blick auf die Hintergründe nachgeplappert. Ob das damit zu tun haben könnte, dass der Ditzen-Verlag durch das Drucken von Werbebroschüren und Werbebüchern für die Havenwelten Geld verdient, soll einfach so als Frage in den Raum gestellt werden...

Und noch eine Anmerkung: Laut Pressemitteilung des Magistrats ging der so ungeheuer bedeutsame "Tourismus-Oscar" des Deutschen Tourismus-Verbands in diesem Jahr an "die RUF Jugendreisen Trend Touristik GmbH, die ein Festival-Camp für Teenager auf der Insel Rügen anbietet".

Und unter den weiteren Konkurrenten der Havenwelten befanden sich "so hochkarätige Feriengebiete wie Mecklenburg-Vorpommern, das die 'Tatort'-Stars Axel Prahl und Jan Josef Liefers als wandernde Werber an den Start schickte".

Da sieht man doch ganz deutlich, in welch einer herausragenden Konkurrenz die Bremerhavener Havenwelten den ersten Platz wirklich nicht schaffen konnten.

Donnerstag, 4. November 2010

Lobbyismus in Deutschland arbeitet immer effektiver und immer stärker im Zwielicht - Analyse des Bundestagsabgeordneten Marco Bülow...

Seestadtpresse Bremerhaven - "In Berlin finden täglich Kongresse, Diskussionsrunden, Parlamentarische Abende und Gesprächskreise zu allen erdenklichen Fragestellungen statt. So diskutiert die Republik auf Grafitti-Kongressen, debattiert über die richtige Jagdtradition und macht sich Gedanken, ob gepiercte Frauen verantwortungsvolle Mütter sein können. Kongresse und Diskussionsrunden zum Lobbyismus sucht man dagegen vergeblich." (Hervorhebung DK)

Diese Bemerkung macht der SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow in der Einleitung seines Buches "Wir Abnicker – Über Macht und Ohnmacht der Volksvertreter“, Econ 2010.

Das erste Kapitel dieses Buches ist in der Abteilung "Denkanstößes" auf der Webseite des Instituts Solidarische Moderne nachzulesen.

Bülow unterscheidet zwei große Gruppen von Lobbyisten - die privaten Interessenvertreter (private interest groups), zu denen er die großen Wirtschaftsverbände und Unternehmen zählt. Da für sie Gewinnmaximierung und Profit an erster Stelle stehen, bezeichnet Bülow sie als „Profitlobbyisten“.

Als zweite Gruppe nennt er die Vertreter der NGOs oder der politischen und sozialen Verbände (public interest groups), die sich z.B. für die Umwelt, den Verbraucherschutz oder die Rechte von Kindern, Arbeitslosen oder Rentnern einsetzen. Diesen Organisationen gehe es vorwiegend um das öffentliche Interesse und das Allgemeinwohl.

Bülow sieht im Profitlobbyismus große Gefahren für die Demokratie. "Finanzstarke und mächtige Lobbyisten beeinflussen die Politik nicht mehr nur, sondern bestimmen sie maßgeblich mit", meint Bülow und sieht auch Deutschland auf dem Weg zu einer sogenannten "Postdemokratie".

In einer solchen Postdemokratie bleibe die Demokratie formal zwar bestehen, aber letzten Endes setzen sich die wirtschaftlichen Machteliten in immer stärkerem Maße durch. Das entscheidende Mittel dazu bilden die Lobbyisten.

Bülow: "Ich bin davon überzeugt, dass der Profitlobbyismus mitverantwortlich dafür ist, dass unser demokratisches System ausgehöhlt wird."

Und auch die Medien spielen in diesem System laut Bülow ihre Rolle: "Der ökonomische Druck, mit dem (die Medien) zu kämpfen haben, führt zu einem gnadenlosen Wettbewerb um Anzeige- und Werbekunden, die wirtschaftlich wesentlich wichtiger sind als die Zahl der Abonnenten. So bekommen potente Werbekunden natürlich großen Einfluss auf die Medien, den sie naturgemäß nutzen. Darunter leidet die Unabhängigkeit der Medien und auch der Journalisten. Niemand sollte sich einreden lassen, dass Herausgeber oder Chefredakteure darüber hinwegsehen, wenn ihre Journalisten kritisch über einen großen Konzern berichten, der gleichzeitig einer der Hauptwerbekunden ist."

Eine wichtige Folge: "Die Grenzen zwischen Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und Journalismus verschwimmen."

Das Märchen vom deutschen Job-Wunder - Das Medienmagazin "Zapp" zeigt, wie die Mainstream-Medien brav mitspielen...

Seestadtpresse Bremerhaven - In welchem Ausmaß die Arbeitslosenzahlen statistisch manipuliert und geschönt werden, ist seit Jahren bekannt.

Trotzdem spielen die deutschen Mainstream-Medien immer wieder brav mit, wenn die Regierung ihre Propaganda-Aktionen durchführt.

Jüngstes Beispiel dafür ist die Inszenierung der Arbeitsministerin, die in einem wahren Meinungshandstreich die Behauptung von weniger als drei Millionen Arbeitslosen in die Welt setzte.  

Diese Falschaussage wurde mit Hilfe der Medien lauthals in die Welt hinaus trompetet, obwohl die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen laut Statistik der Agentur für Arbeit mindestens um eine Million höher ist.
 
So berichtete beispielsweise die Bremerhavener Nordsee-Zeitung am 29. Oktober 2010...

Die Zahl ist in der offiziellen Statistik der Agentur für Arbeit unter dem Stichwort "Unterbeschäftigung" nachzulesen. Zitat von Seite 15: "Im Oktober belief sich die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) auf 4.060.000."

Das Medienmagazin "Zapp" erläutert dieses skandalöse Mitspielen der Medien in seiner Sendung vom 3. November 2010. Der Titel dieser Sendung: "Das Märchen vom 'Job-Wunder'".