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Dienstag, 25. Juli 2023

Der Bremerhavener Hafentunnel - Die Skandalgeschichte eines kuriosen Monsterbauwerks muss noch geschrieben werden...

Der Bremerhavener Hafentunnel - Die Skandalgeschichte eines kuriosen Monsterbauwerks muss noch geschrieben werden... Seestadtpresse Bremerhaven - Im November 1999 stand im Koalitionsvertrag von SPD und CDU das Projekt des "kreuzungsfreien Ausbaus der Cherbourger Straße". Im April 2001 stimmte diese Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung für den Plan, eine fast 1200 Meter lange Tunnelröhre zu bauen. Kostenpunkt: 180 Millionen DM. Zu dieser Zeit wurden 180 Lkw pro Stunde gezählt; für 2025 erwarteten die Planer 615 Lkw pro Stunde.

In den folgenden Jahren gab es lebhaftes Hin und Her über das Großprojekt, u.a. angefeuert durch den Vorschlag einer Nordumgehung zum Hafen über Langener Gebiet sowie diverse Vorschläge für einen anderen Verlauf des Tunnels.

Im Januar 2015 vermeldete dann die Seite "Hafentunnel Bremerhaven (http://www.hafentunnel-bremerhaven.de) unter der Überschrift "Nun geht es los": 

„Insgesamt kostet der Bau des Hafentunnels bzw. der Hafenanbindung zur A27 - 171,3 Millionen Euro. 120 Millionen davon trägt der Bund. Weitere 29 Millionen Euro kommen vom Land Bremen und rund 7,3 Millionen Euro von der Seestadt Bremerhaven. Die Hafenwirtschaft steuert einen Betrag von 15 Millionen Euro zum Ausbau der Hafenanbindung bei. Die Planungskosten belaufen sich auf 29,2 Millionen Euro. Diese Summe wird zusätzlich vom Land Bremen getragen. Die Belastung durch den Tunnelbau soll so gering wie möglich gehalten werden.

Nach vorläufiger Planung der Tunnelbauer ist die Gesamtfertigstellung des Tunnels, der für eine deutliche Reduzierung der Verkehrsbelastung rund um die Cherbourger Straße sorgen soll, für Herbst 2018/19 vorgesehen. Der Hafentunnel Bremerhaven schafft einen Weg in die Zukunft.“

Dann ging es wirklich los, aber nicht ganz so wie geplant. Schon der Zeitpunkt der Fertigstellung Herbst 2018 erwies sich als Luftnummer: Wir schreiben das Jahr 2023 - und noch immer ist das Lügenbauwerk nicht fertig.

Warum Lügenbauwerk? Die Notwendigkeit wurde mit ausgedachten Zahlen zurechtfimmeliert. Am 30. Juni 2008 prognostizierte der damalige Oberbürgermeister Jörg Schulz auf dem Sommerfest der Arbeitnehmerkammer "eine explosionsartige Zunahme des Verkehrs". Solche Erwartungen wurden allerdings stets nur durch andere Prognosen ergänzt, z.B. die Verkehrs- und Umschlagsprognose des ISL.  

Genaue Zählungen kamen aus rätselhaften Gründen nicht zustande. So wurde Ende September 2011 mitgeteilt, dass bereits im Herbst 2010 automatische Zählgeräte installiert worden seien, "die leider bislang noch keine abschließend plausibilisierten Ergebnisse liefern".

Der Bericht des Rechnungshofs Bremen von 2014 ließ keinen Zweifel an der Unsinnigkeit des Hafentunnels. Er sei „… zu keinem Zeitpunkt wirtschaftlich zu vertreten…“ gewesen, lautete die Bilanz ( https://www.rechnungshof.bremen.de/sixcms/media.php/13/Sonderbericht%20Hafentunnel.pdf ).

Die auf dieser Seite erschienenen Texte können nach Anklicken des folgenden Links noch einmal durchgeblättert werden https://btb-bremerhaven.blogspot.com/search?q=Hafentunnel .

Aber wie gesagt: Die ganze Skandalgeschichte dieses kuriosen Monsterbauwerks muss noch geschrieben werden...


Mittwoch, 7. März 2012

In der Bremerhavener CDU gibt's Streit, und die Nordsee-Zeitung hält nur den Teiser-Kritikern die Tröte vörs Maul, ohne politisch aufzuklären...

Seestadtpresse Bremerhaven - Es gibt Zeitgenossen, die den aktuellen Streit in der Bremerhaven CDU als "erfrischend" empfinden. Sie erfreuen sich insbesondere daran, dass der langjährige CDU-Kreisvorsitzende Michael Teiser "endlich mal" auf "richtigen Widerspruch" stößt.

Dabei lässt zunächst einmal eine gewisse Häme gegenüber Michael Teiser beobachten, der mit tatkräftiger Hilfe der Nordsee-Zeitung in der Bremerhavener Öffentlichkeit  als Negativ-Figur ausgemalt wurde.

Auch die jetzigen Streitereien in der CDU hätten ohne die medialen Hebammenkünste der Nordsee-Zeitung mit Sicherheit nicht diese Aufplusterung erfahren. Die Kampagne passt einfach zu gut in das journalistische NZ-Profil, das auf Personalisierungen in Verbindung mit verbaler Krawallmacherei charakterisiert werden kann.

Die Freude an solch oberflächlichem Klamauk sei den von der NZ Beglückten durchaus gegönnt, aber mit dem Kern von Politik hat das leider nichts zu tun.

Sehr schön sichtbar wird das meiner Ansicht nach an folgender Beobachtung: Vom Teiser-Hauptkritiker U. ist nicht eine einzige inhaltliche Forderung bekannt. Über seine politischen Ansichten und Positionen erfährt die NZ-Leserschaft nichts, absolut nichts. Mensch bekommt nur zu lesen, dass U. die von ihm als zu groß empfundene Macht Teisers in der CDU kritisiert.

Blenden wir die Person des Herrn U., der mir politisch eher als profilloses X. dazustehen scheint, einmal aus.

Nehmen wir in einem Gedankenexperiment einmal an, ein  gehätschelter Teiser-Kritiker wäre ein beinharter und starrköpfiger Rechtsradikaler, der die CDU inhaltlich in Richtung NPD treiben wollte. Wie groß bliebe die Freude an einer Krawallmacherei gegen den Vorsitzenden Teiser, wenn es sich bei diesem Kritiker um einen Rechtsradikalen handelte?

Was ich damit sagen will: Wer sich an "erfrischender" Teiser-Kritik erfreut, sollte wenigstens wissen wollen, unter welcher politischen Fahne der Kritiker segelt. Welche inhaltlichen Positionen Teisers kritisiert er? Welche Positionen will er statt dessen durchsetzen?
Wenn die Nordsee-Zeitung zu solcher Aufklärung politischer Streitereien wenigstens ein Spierchen beigetragen hätte, könnte man sie loben.

Angesichts der völlig inhaltsleeren Personal-Sabbeleien über zu große Macht bleibt jedenfalls bei mir wieder nur ein Kopfschütteln über eine erneute journalistische Fehlleistung.

Freitag, 16. September 2011

Nordsee-Zeitung zur Kommunalwahl in Niedersachsen im Internet nicht auf der Höhe der Zeit? - Kritische Stimmen aus der Leserschaft...

Seestadtpresse Bremerhaven - Große Verwunderung über den Umgang der Nordsee-Zeitung (NZ) mit der Kommunalwahl in Niedersachsen äußern mehrere Leserinnen und Leser der Seestadtpresse.“Unglaublich, aber wahr“, lautet eine der Botschaften. „Am vergangenen Sonntag war in Niedersachsen Kommunalwahl, und die NZ war nicht dabei!“

Weiter im Text >>>geht es hier. 

Montag, 12. September 2011

Falsches Zitat oder skandalöse Unverschämtheit? - Der Bremerhavener Sozialstadtrat Klaus Rosche sollte seine Haltung gegenüber der Solidarischen Hilfe dringend ins Reine bringen...

Seestadtpresse Bremerhaven - Die seit zwanzig Jahren erfolgreich und ehrenamtlich arbeitende Sozialberatung "Solidarische Hilfe" hat in Sozialstadtrat Klaus Rosche offensichtlich keinen besonderen Freund und Förderer.

Anders kann der Bericht in der Nordsee-Zeitung vom 12. September 2011 nicht verstanden werden - falls nicht die Äußerungen Rosches fehlerhaft wiedergegeben worden sind.

Aber dazu müsste der Sozialstadtrat sich bald zu Wort melden, sonst bleiben seine gehässigen Äußerungen als Makel an ihm kleben...

Wer Genaueres wissen möchte, kann die Seestadtpresse ansteuern und muss hier klicken.

Donnerstag, 8. September 2011

NDR-Medienmagazin Zapp über eine Demonstration für kritischen Lokaljournalismus - Der Bericht ist auch für Bremerhaven und seine Nordsee-Zeitung interessant...

Seestadtpresse Bremerhaven - Was in Zossen gefordert wird, kann auch für Bremerhaven durchaus diskutiert werden: Es geht um einen kritischen und fairen Lokaljournalismus. Die Presse müsse sich frei halten von den Ansprüchen der Mächtigen, wird ein Bürger in dem Bericht zitiert...

Das NDR-Medienmagazin Zapp berichtete am 7. September 2011 über eine Demonstration gegen die Gewohnheiten der "Märkischen Allgemeinen Zeitung".

Freitag, 29. Juli 2011

Umbau der Bremerhavener Kliniklandschaft: Kritik am "Kampagnenjournalismus" der Nordsee-Zeitung...

Seestadtpresse Bremerhaven - Der Umbau der Bremerhavener Kliniklandschaft ist ein komplizierter Prozess, der seit vielen Jahren in einem etwas unübersichtlichen Hin und Her steckengeblieben ist.

Jetzt gibt es einen neuen Anlauf, der von der Nordsee-Zeitung ausführlich und schlagzeilenmächtig begleitet wurde.

Ein Insider charakterisiert die NZ-Vorgehensweise als einseitigen "Kampagnenjournalismus" und sieht alte Vorurteile am Werk.

Zum ausführlichen Text über die "schlagseitige Darstellung der Nordsee-Zeitung geht es durch einen Klick an dieser Stelle.

Sonntag, 24. Juli 2011

"Gute Nacht, Journalismus"? - Die Neue Zürcher Zeitung über Skandalisierungen und fette Schlagzeilen in unseren Zeitungen...

Seestadtpresse Bremerhaven - Der Fall Rupert Murdoch setzt allerorten kritische Diskussionen über die Mängel und Ärgernisse heutiger Massenmedien in Gang.

Unter der Überschrift "Gute Nacht, Journalismus!" setzt sich die Neue Zürcher Zeitung am 14. Juli 2011 mit der Problematik auseinander, speziell mit Blick auf die Schweiz: "Auch bei uns werden die situative Aufgeregtheit, die Skandalisierung immer mehr zum Leitfaden des Journalismus", schreibt der Autor Anton Schaller. "Die neuen Prinzipien verdrängen die umfassende Recherche, sie rücken die Bezüge auf die Geschichte in den Hintergrund."

Und weiter: "Auch bei uns zählt die fette Schlagzeile, drängt die Skandalgeschichte in den Vordergrund. Auch bei uns bestimmt mehr der Markt den Journalismus als die Orientierung an Wahrheit, Ausgewogenheit und Relevanz." (Hervorhebungen DK)

Solche Beobachtungen sollten Anstoß sein, auch die kleineren regionalen Zeitungen wie die Nordsee-Zeitung in Bremerhaven immer wieder einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Ziel ist nicht die Bekämpfung solcher Publikationen, sondern deren qualitative Weiterentwicklung im Sinne einer offenen und fairen öffentlichen Diskussion. Es soll allerdings Redaktionen geben, denen eine solche Unterscheidung fremd zu sein scheint.

Die Seestadtpresse Bremerhaven beackert dieses interessante Feld seit längerer Zeit. Beispiele dafür lassen sich hier oder hier und anderswo in dieser Bloggerei nachlesen.

Samstag, 23. Juli 2011

Die lokale Machtstellung der Nordsee-Zeitung stützt sich auf bestimmte Muster - Vielleicht kann der Skandal um Rupert Murdoch für leichte Aufhellung sorgen...

Seestadtpresse Bremerhaven - Der Skandal um den Medienunternehmer Rupert Murdoch hat nach Meinung eines Beobachters in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sichtbar gemacht, dass Murdoch mit seinem Medien-Imperium in Großbritannien „weniger über die Massen als über die Mächtigen geherrscht “ habe.

Funktioniert habe diese Machtausübung über die Angst – „die Angst vor den Konsequenzen, wenn man es sich mit den Blättern oder ihren Verantwortlichen verscherzt“.

Die Frage ist, ob nicht auch andere Medien bis hin zu unserer kleinen Nordsee-Zeitung in Bremerhaven ihre Machtstellung nach diesem Muster ausnutzen können.

Ein paar Überlegungen dazu können >>>hier angeklickt werden.

Dienstag, 3. Mai 2011

Nordsee-Zeitung will dieses Mal mit dem Leserkalender etwas weniger Geld verdienen - Pro Anruf zur Auswahl der Fotos werden nun 14 statt 50 Cent fällig...

Seestadtpresse Bremerhaven - Die Nordsee-Zeitung hat ihre Zuverdienstmöglichkeiten bei der Erstellung eines "Leserkalenders" für das Jahr 2012 gegenüber dem vorhergehenden Mal ein wenig reduziert.

Wie in dieser Abteilung der Seestadtpresse unter dem Datum des 18. September 2010 nachzulesen ist, kostete jeder Anruf aus dem Festnetz im vergangenen Jahr noch 50 Cent, wenn jemand seine Foto-Auswahl für einen der zwölf Monate an die NZ weitergeben wollte. Das summierte sich auf immerhin sechs Euro, falls eine NZ-Leserin oder ein NZ-Leser ein Votum für alle zwölf Monatsblätter abgeben wollte.

Wer die aktuelle NZ-Werbekampagne für den Leserkalender ansieht, findet dort für jeden Anruf statt bisher 50 Cent nun 14 Cent.

Diese 14 Cent pro Anruf liegen immer noch weit über den normalen Telefontarifen, aber sie stellen doch zumindest eine gewisse Abkehr von der seinerzeit monierten Raffgier dar.

Donnerstag, 14. April 2011

Koofmichs in der deutschen Presse - Ein Bericht des NDR-Magazins "Zapp"...

Seestadtpresse Bremerhaven - Das NDR-Medienmagazin "Zapp" profiliert sich wieder einmal mit einem interessanten Bericht. Dieses Mal geht es um die Koofmichs in der deutschen Presse.

Bis heute spricht mensch von "Schleichwerbung", wenn nicht gleich zu erkennen ist, ob es sich beim Gedruckten um das Arbeitsergebnis einer unabhängigen Redaktion oder um bezahlte Werbung für irgendetwas oder irgendwen handelt.

Der Anzeigencharakter eines Textes oder einer Beilage müsse für Leserinnen und Leser auf den ersten Blick erkennbar sein, betont der befragte Professor für Kommunikationsrecht. Sonst liege ein Verstoß gegen das Presserecht vor.

Wie die Tricks der Verlage funktionieren?

Es steht über der (in Wirklichkeit bezahlten) Werbung ziemlich klein der (harmlos klingende) Hinweis, dies sei eine "Sonderveröffentlichung des Verlags" oder eine "Anzeigensonderveröffentlichung". Die Aufmachung ähnelt in solchen Fällen stark den anderen Seiten in der Zeitung, und so wird die Leserschaft hereingelegt.

Basis dieses Zapp-Berichts waren verdeckte Recherchen des taz-Redakteurs Sebastian Heiser.

Zeitungsleserinnen und -leser in Bremerhaven können ja einmal darauf achten, wann die Nordsee-Zeitung ihre nächste bezahlte "Sonderwerbeform" präsentiert.

Wie gesagt, nach Auskunft des Experten muss der Werbecharakter auf den ersten Blick erkennbar sein, sonst handelt es sich um einen Verstoß gegen das Presserecht...

Und was auch nicht vergessen werden darf: Es gibt auch noch andere Formen der Schleichwerbung, beispielsweise wenn eine Verlegerin oder ein Verleger bestimmte politische oder ökonomische Präferenzen hat und dafür sorgt, dass die Redaktion auch entsprechend berichtet.

Und Schleichwerbung findet auch statt, wenn beispielsweise durch Weisung von oben dafür gesorgt wird, dass über manche Geschehnisse in einer Stadt gar nicht berichtet wird oder nicht kritisch berichtet wird. Denn als Folge der fehlenden Kritik stehen Personen oder Einrichtungen in der Öffentlichkeit besser da, als sie es bei ehrlicher Betrachtung verdienen.

Schleichwerbung dieser Art ist ebenfalls keine Seltenheit. In Bremerhaven wissen manche Menschen ganz gut darüber Bescheid...

Freitag, 18. Februar 2011

Golfclub-Skandal von der Nordsee-Zeitung efreulich kritisch beleuchtet - Sonntagsjournal schweigt bisher eisern...

Seestadtpresse Bremerhaven - Die skandalöse Unterstützung der Stadt Bremerhaven für die heimische Golf-Firma namens "Golfclub Bremerhaven" wird in der Nordsee-Zeitung am 18. Februar 2011 weiter auf erfreulich kritische und hartnäckige Weise unter die Lupe genommen.

Nun taucht aber die interessante Frage auf, ob sich auch das Bremerhavener Sonntagsjournal endlich in diese Berichterstattung einschaltet. 

Bisher hat das Sonntagsjorunal eisern geschwiegen, obwohl es mit dem Chefredakteur Werner Schwarz einen Golf-Experten aufzuweisen hat, der sonst keine Gelegenheit auslässt, den Golfsport aus allen Richtungen zu beleuchten. 

Golfer Schwarz, der Golfschläger liegt doch stets bereit. Nun mal los!

Dienstag, 8. Februar 2011

Bremerhavener Nordsee-Zeitung blamiert sich mit Blamage - Was eine Zeitung so alles aufblasen kann und könnte...

Seestadtpresse Bremerhaven - "Christina Aguilera blamiert sich beim Super Bowl", kündigt die Nordsee-Zeitung am 8. Februar 2011 groß mit Foto auf der ersten Seite an und titelt: "Top-Sport, mieser Gesang". In der Online-Ausgabe wird sogar ein langer dpa-Text dazu abgedruckt. Da ist in der Titelzeile von einem "Super-Patzer" die Rede.

Nordsee-Zeitung vom 8. Februar 2011, links daneben der Weser-Kurier desselben Tages...

Was war da Schlimmes passiert? Worin bestand die Blamage?

Der Weser-Kurier teilt das am gleichen Tag unauffällig in der Abteilung "Leute" mit: Vermutlich aus Nervosität habe der Pop-Star die siebte Zeile der amerikanischen Nationalhymne ausgelassen (!) und stattdessen die dritte Zeile noch mal wiederholt. Dabei habe sie auch noch ein Wort vertauscht.

Von einer Blamage ist im Weser-Kurier mit keiner Silbe die Rede.

Auch im angekündigten Text der Nordsee-Zeitung (übrigens auf Seite 26, nicht wie auf Seite 1 behauptet auf Seite 25) muss der Leser lange nach der großen Blamage suchen - und dort ist von einer "Blamage" ebenso wenig die Rede wie von "miesem Gesang".

Nordsee-Zeitung vom 8. Februar 2011, Seite 26
Was sagt uns das?

Wenn die Messlatte so niedrig gelegt wird, um auf die Titelseite einer Zeitung zu kommen, dann könnte manch eine Zeitung die gesamte erste Seite ohne Probleme mit ihren eigenen Fehlleistungen selbst füllen.

Freitag, 14. Januar 2011

Der schöne Klang des Wortes "Bio-Kraftwerk" in der Nordsee-Zeitung - Leider werden da die Tannenbäume auch nur verbrannt...

Seestadtpresse Bremerhaven - "Verwöhntag für Müllwerker" - unter dieser etwas merkwürdigen Überschrift berichtete die Nordsee-Zeitung am 10. Januar 2010 über das Einsammeln der Bremerhavener Tannenbäume nach den Festtagen.

Da die Müllwerker beim Einsammeln im Gegensatz zum sonstigen Müll-Muff-Geruch an dem "frischen Tannengeruch" schnuppern konnten, machte die NZ daraus gleich einen "Verwöhntag für die Müllwerker".

Nun ja.

Ob das die Müllwerker bei ihrem Sondereinsatz am Wochenende ebenso gesehen haben, darf vielleicht bezweifelt werden.

Noch etwas fiel mir auf.

Auf der Titelseite lief die Ankündigung des Berichts unter der Überschrift "Aus Tannenbäumen werden Spanplatten".

Nordsee-Zeitung vom 10. Januar 2010
Auf dieser Seite 1 hieß es etwas genauer: "Die 80 Tonnen Holz werden in einem Bio-Kraftwerk verwertet oder geschreddert für die Produktion von Spanplatten verkauft."

Angesichts dieser Super-Bio-Meldung beschleichen mich doch leise Zweifel.

Zum einen sind mir bisher noch keine Spanplatten voller Tannennadeln in die Finger gekommen, aber vielleicht gibt es sie ja.

Zum anderen sind mir "Bio-Kraftwerke" mit Tannenbaumverwertung eine höchst bedenkliche Einrichtung. Müssen die Dinger vielleicht vorher mühsam über viele Monate vergoren werden?

Oder handelt es sich nicht doch um eine dieser Bio-Verwertungen, die mit dem wohl klingenden Zusatz "thermisch" zu versehen sind, weil der Kram einfach nur verbrannt wird?

Eine Anfrage bei der BEG brachte Aufklärung: Bei den angesprochenen "Biokraftwerken" hätte es richtig "Biomasse-Kraftwerke" heißen müssen, teilte ein BEG-Sprecher mit. Das seien Kraftwerke, die auf die Holzverbrennung hin optimiert wurden.

Das heißt: Dort wird "Holz als nachwachsender Rohstoff energetisch verwertet".

Also werden die Bremerhavener Tannenbäume am Ende doch wohl einfach nur verbrannt, wenn auch in optimierter Form. 

Man muss es zugeben: Da klingt das Wort "Bio-Kraftwerk" irgendwie doch schöner als die schnöde Wirklichkeit...

Dienstag, 11. Januar 2011

Die Kohlmeise ist eine Blaumeise - Bremerhavener Nordsee-Zeitung fotografiert ornithologisch knapp am Ziel vorbei...

Seestadtpresse Bremerhaven - Besserwisserei kann Vergnügen machen, führt aber auch auf gefährliche Pfade - das sollte klar sein. Insofern mache ich die folgenden Anmerkungen in aller Demut eines einsam um die Wahrheit ringenden Schreiberlings.

"Die Kohlmeise ist der Winterstar", titelt die Nordsee-Zeitung am 11. Januar 2011 auf ihrer Titelseite.

Nordsee-Zeitung vom 11. Januar 2011, Seite 1
Leider zeigt das eingebaute Illustrationsfoto keine Kohlmeise, sondern eine Blaumeise. 

Wer das nicht so recht glauben mag, kann zum Beispiel bei Wikipedia durch zwei Klicks die Kohlmeise mit der Blaumeise vergleichen.

Unter der Überschrift "Von Klugscheißern für Klugscheißer" erläutert auch unser Erstes Fernsehprogramm die Unterschiede zwischen der großen "schwarzen" (Kohle!) und der kleinen "blauen" Meise. 

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Verwirrte Nordsee-Zeitung mit kuriosen Fehlern - Befördern die neuen (und billigeren) Strukturen der Redaktion möglicherweise ein beliebiges Durcheinander?

Seestadtpresse Bremerhaven - Journalismus kann ein hartes Brot sein, weil der Schreiberling von so vielen misstrauischen oder gar hämischen Menschen beobachtet wird.

Immerhin zwingt das zu einer gewissen Sorgfalt, und das ist auch nichts Schlechtes für diese Branche.

In manchen Zeitungshäusern sind aber Strukturen geschaffen worden, die so sparsam, engbrüstig oder kleingeistig gestrickt wurden, dass es zwangsläufig zu teilweise kuriosen Fehlern kommen muss.

Nehmen wir ein ganz kleines Beispiel aus der Nordsee-Zeitung, die sich aus Gründen der Einsparung ein sehr wimmelig daher kommendes Konzept zusammengebastelt hat.

Nordsee-Zeitung vom 21. Dezember 2010
 "Lange arbeiten ist gesund", sagt eine Studie laut Überschrift in der Nordsee-Zeitung.

Diese Überschrift wundert manche Leserin so wenig wie manchen Leser, denn solche Aussagen freuen die heimische Industrie- und Handelskammer (IHK) und mit der ist die Nordsee-Zeitung bekanntlich emotional und geschäftlich sehr verbunden.

Ein Blick auf den darunter stehenden Text zeigt allerdings sehr deutlich, dass die zitierte Studie das genaue Gegenteil aussagt: Je länger die wöchentlichen Arbeitszeiten, desto häufiger treten Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Herzbeschwerden auf.

Die korrekte Überschrift für den Text müsste also lauten: "Lange arbeiten ist nicht gesund". So steht es klipp und klar im Text, auch wenn sich die IHK darüber nicht so recht freuen mag.

Solche Verwechslungen sind beileibe kein Einzelfall, und daher darf die Frage erlaubt sein, welche Mechanismen und Strukturen innerhalb der Redaktion solche Fehler befördern.

Fast noch kurioser ist ein Beispiel aus der Nordsee-Zeitung vom 18. Dezember 2010. In dieser einen Ausgabe wird gleich dreimal dieselbe Botschaft übermittelt - nämlich dass die früher unter dem Namen "Pilefunk" bekannt gewordene Band am 22. Dezember im Pferdestall auf der Bühne steht.

Die Texte zeigen erhebliche Übereinstimmungen und erschienen in drei verschiedenen Rubriken - "Lokale Kultur", "Veranstaltungen" und "Musik-Journal".

Nordsee-Zeitung von 18. Dezember 2010, Seite 9, 22 und 41
Vielleicht wäre es doch schlauer gewesen, das Blattmachen nicht in lauter Beliebigkeiten und Zufälligkeiten aufzulösen und statt dessen beispielsweise eine federführende Kulturredaktion beizubehalten.

Dienstag, 23. November 2010

Handelsblatt und Prognos bescheinigen der Stadt Bremerhaven ein "Zukunftsrisiko" - Die Nordsee-Zeitung hat darüber sicher schon berichtet...

Seestadtpresse Bremerhaven - Die beliebten Tabellen über die wirtschaftliche Dynamik und die Risiken einzelner Städte und Regionen haben ihre Tücken - das ist allseits bekannt.

Gleichwohl spielen diese sogenannten "Rankings" in der Lokalpresse eine Rolle, wenn sie der eigenen Region gute Chancen bescheinigen. Ist das Gegenteil der Fall, schweigen die journalistischen Wirtschaftsförderer sehr gerne.

Nehmen wir ein Beispiel für Bremerhaven. Im Handelsblatt findet sich unter dem Datum 15. November 2010 eine Infografik der Firma Prognos unter der Überschrift "Alle Städte und Kreise im Test". Es handelt sich um einen  "Zukunftsatlas" von Prognos auf der Basis von 29 Indikatoren.

Bremerhaven erscheint da in blauer Farbe. Das bedeutet "Hohe Zukunftsrisiken". In den Jahren 2004 und 2007 ging Prognos für Bremerhaven nur von "Zukunftsrisiken" aus.

Auf dem allerletzten Platz dieses Rankings findet man den Landkreis Demmin - Platz 412. Bremerhaven wird der Platz 373 zugewiesen. 

Im Jahre 2004 (also vor sechs Jahren) rangierte Bremerhaven im Zukunftsatlas noch auf Platz 367 von 439.

Was das Kriterium "Soziale Lage & Wohlstand" angeht, steht Bremerhaven allerdings auf dem allerletzten Platz - noch hinter dem Landkreis Demmin. 

Bei den Kriterien "Dynamik" und "Demografie" hat Bremerhaven laut Prognos seine Zukunftsaussichten erheblich verbessert. Ganz anders sieht es bei den Kriterien "Arbeitsmarkt" und "Wettbewerb & Innovation" aus - da haben sich Bremerhavens Aussichten teilweise deutlich verschlechtert.

Die Grafik im Handelsblatt ermöglicht Vergleiche.

Wenn etwa Bremerhaven mit Wilhelmshaven verglichen wird, schneidet Bremerhaven insgesamt schlechter ab. 

Im Vergleich mit dem Landkreis Demmin steht Bremerhaven besser da, und zwar in allen Kriterien bis auf eines: In puncto Wohlstand hat der Kreis Demmin die besseren Karten, meint Prognos.

Auch wenn solche Rankings wegen der oft nicht durchschaubaren Kriterien mit Skepsis zu betrachten sind, bleibt es ganz interessant, einmal einen solchen vergleichenden Blick auf die eigene Stadt und ihren speziellen Mix von Chancen und Risiken zu werfen.

Vermutlich habe ich die Berichterstattung in der Nordsee-Zeitung über die hier ermittelten, wenig erquicklichen Aussichten Bremerhavens übersehen. Das könnte in einem solchen Fall der Ausfluss des erwähnten Prinzips der "journalistischen Wirtschaftsförderung" sein.

Nachtrag 23. November 2010: Tatsächlich habe ich die Berichterstattung in der Nordsee-Zeitung vom 16. November 2010 übersehen. Das war insofern nicht allzu schwer, als die schlechte Bremerhavener Einstufung unter der Überschrift "Zukunft im Norden eher mau" daher kam. "Süden hängt den Rest der Republik ab", lautet die Parole. Bremerhaven wird im Text eher nebenbei erwähnt: "Bremerhaven rangiert weit hinten", ist zu lesen. 

Mittwoch, 10. November 2010

100-Millionen-Euro-Zuschuss für das Deutsche Schiffahrtsmuseum geplatzt - Nordsee-Zeitung war am voreiligen Hinaustrompeten der Behauptung gut sichtbar beteiligt...

Seestadtpresse Bremerhaven - Am 5. September 2010 hätte das Deutsche Schiffahrtsmuseum seinen 35. Geburtstag feiern können, aber die Zeiten stehen im Hause seit längerer Zeit auf Sturm.


Und nun ist auch noch der große Traum vom 100-Millionen-Euro-Zuschuss der Bundesregierung geplatzt.

In der Nordsee-Zeitung vom 9. November 2010 musste sich die Museumsdirektorin Ursula Warnke kräftige Vorwürfe anhören, weil sie schon sehr früh die angeblich sichere Finanzierung in die Öffentlichkeit hinaus trompetet habe.

Diese Kritik der Nordsee-Zeitung ist unredlich, weil sie die eigene Rolle beim naiven Hinaustrompeten der angeblich sicheren Finanzierung großartiger Neubauten einfach verschweigt.

Denn ohne die Nordsee-Zeitung hätte Ursula Warnke die Bremerhavener Öffentlichkeit gar nicht in dieser Breite erreichen können.

Ein kurzer Blick zurück: Den Anfang mit dem Hinaustrompeten von Falschmeldungen machte die Bremerhavener Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS. In ihrer Pressemitteilung 93/08 behauptete sie frech: "40 Millionen für das Nationalmuseum" und weiter: "Mehr Platz, mehr Ausstellungen und mehr Attraktionen - das Deutsche Schiffahrtsmuseum bekommt den lang ersehnten Anbau".

Eine schlichte Falschmeldung, wie auch DSM-Direktor Lars Ulrich Scholl gegenüber dem Weser-Kurier vom 25. November 2008 einräumte. "Soweit ist es noch längst nicht", stellte er sachlich fest. Überschrift im Weser-Kurier: "Frohlocken kam zu früh".

Am 11. Juli 2009 stieg dann die Nordsee-Zeitung mit einem Aufmacher im Lokalteil ganz groß ein.

Nordsee-Zeitung vom 11. Juli 2009: "Alles neu für 100 Millionen Euro"
Unter der Überschrift "Das Warten hat sich gelohnt" kommentierte NZ-Chefredakteur Jost Lübben: "Was für eine gute Nachricht für das Deutsche Schiffahrtsmuseum und die Stadt Bremerhaven! 90 Millionen Euro stehen vom Bund für den Umbau zur Verfügung."

Im zugehörigen Bericht behauptet die Nordsee-Zeitung sogar: "Dieses Geld ist im Etat des Ministeriums bereits eingeplant."

Der Weser-Kurier formulierte am gleichen Tag korrekt (und sehr viel vorsichtiger): "Nach Warnkes Worten hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung seine Bereitschaft signalisiert, ab 2010 schrittweise 90 Millionen Euro für die geplanten Aktivitäten bereitzustellen."

Nordsee-Zeitung vom 9. November 2010: "Traum vom 90-Millionen-Euro-Zuschuss des Bundes für Umbau des DSM ist geplatzt"
Wenn der NZ-Kommentator nun in der Ausgabe vom 9. November 2010  schreibt "Da hat die Direktorin Ursula Warnke im vergangenen Jahr wohl etwas zu früh die Sektkorken knallen lassen", dann darf hinzugefügt werden:

"Die Nordsee-Zeitung hat sich auch in diesem Fall am voreiligen Knallenlassen der Sektkorken kräftig mit beteiligt."

Freitag, 5. November 2010

Nordsee-Zeitung druckt Pressemitteilung des Bremerhavener Magistrats als eigenen Bericht im Lokalteil ab - Peinlichkeiten über Peinlichkeiten...

Seestadtpresse Bremerhaven - Dem journalistischen Trauerspiel um den angeblich so bedeutsamen Deutschen Tourismuspreis setzt die Nordsee-Zeitung selbst eine Peinlichkeitskrone erster Sahne auf: Sie druckt die Presseerklärung des Magistrats ohne wesentliche Veränderungen im redaktionellen Teil ab. 



Was für einen Nicht-Abonnennten der Bremerhavener Heimatzeitung erst mit Verspätung auffällt, dürfte den meisten Leserinnen und Lesern bisher ebenfalls verborgen geblieben sein. Schließlich gehen die Pressemitteilungen des Magistrats nicht an alle Haushalte der Stadt.

Da diese Pressemitteilungen im Netz nachzulesen sind, reicht ein Klick an dieser Stelle, um die fast vollständige Gleichheit der Texte in der Pressemitteilung und in der Nordsee-Zeitung festzustellen. 

Wie kann sich eine Redaktion, die kommunalpolitisch ernst genommen werden will, dermaßen dämlich vor den offiziellen Propagandismus-Karren der Stadt spannen lassen...

Der "Deutsche Tourismuspreis" scheint die überregionale Presse nicht besonders zu interessieren - Spiegel online fragt: "Haben Sie sich vertippt?"

Seestadtpresse Bremerhaven - Während die Nordsee-Zeitung pflichtgemäß den zweiten Rang der Havenwelten im Wettbewerb um den "Deutschen Tourismuspreis" sogar auf der ersten Seite als Aufmacher kund tut, hält sich die übrige Presse geradezu empörend zurück.

Oder sollte der Deutsche Tourismuspreis gar nicht so bedeutend sein, wie er den Bremerhavenern verkauft werden soll?

Wer das entsprechende Suchwort bei Google eingibt (Freitag, 5. November 2010, etwa 14.15 Uhr), bekommt jedenfalls auf den ersten Seiten nur allerlei Verbände und Institutionen wie die Industrie- und Handelskammern (IHK) zu sehen, die über die Preisverleihung berichten. Der "Südkurier" wird dort auch genannt mit der irritierenden Schlagzeile "Deutscher Tourismuspreis geht in die Kurstadt".

Irgendeine andere Zeitung war in puncto "Deutscher Tourismuspreis" bei Google auf die Schnelle nicht zu entdecken.

Man sieht: Die Provinziellen und die Werbeprofis blieben offensichtlich ganz unter sich.

Und wer bei Spiegel Online nach dem "Deutschen Tourismuspreis" sucht, bekommt als Antwort: "Ihre Suche ergab keinen Treffer. Haben Sie sich vertippt?"

So unbedeutend und unbekannt scheinen Ereignisse zu sein, die von der provinziellen Nordsee-Zeitung als ein bombastischer Erfolg gefeiert werden...

Peinlich, peinlich...

Hingewiesen sei hier auch noch einmal auf den Hintergrundbericht in der Seestadtpresse vom 5. November 2010.

Samstag, 30. Oktober 2010

Nordsee-Zeitung pflegt ihre Einseitigkeiten - Bericht über eine Veranstaltung des Unternehmensnetzwerks i2b ohne Hinweis auf deren Gründer und Ideengeber Hanjörg Troebner...

Seestadtpresse Bremerhaven - Die Nordsee-Zeitung (NZ) berichtet oft einseitig und voreingenommen über politische und gesellschaftliche Entwicklungen in Bremerhaven - für kritische Beobachter der hiesigen Presselandschaft ist das wahrlich keine Neuigkeit.

Gleichwohl ist es immer wieder verblüffend, wie willkürlich Themen und Ausführlichkeiten bei der Berichterstattung festgelegt werden.

Ein Beispiel dafür liefert die NZ-Berichterstattung über das seit Jahren höchst erfolgreich agierende Wirtschaftsnetzwerk i2b, das die etablierte, aber betuliche und verschnarchte Industrie- und Handelskammer (IHK) zunehmend in den Schatten stellt.

"In der IHK verteilen die fett gewordenen Geschäftsleute der Stadt die Pfründe", meint ein Insider etwas hämisch und macht damit auf ein Problem der IHK aufmerksam: Dort sitzen diejenigen auf den wichtigen Posten, die im Moment noch über die Schalthebel der Macht verfügen können. Jüngere und ehrgeizige Geschäftsleute, die erst noch voran kommen wollen, haben dort nur selten eine Chance - ein Zustand, der sich mit Sicherheit ändern wird, auch wenn es manche noch nicht gemerkt haben.

Im Netzwerk i2b ist das anders, weil es sich in vielerlei Hinsicht auf der Höhe der Zeit befindet. Da braucht man nur einmal die Organisation von Veranstaltungen zu vergleichen...

Mit welch einem umfangreichen Instrumentarium die IHK ihre Einflussmöglichkeiten absichert, ergibt sich schon daraus, dass sie mit der Nordsee-Zeitung die einzige Tageszeitung der Stadt fest unter ihrer Kontrolle hat. Schließlich ist die Verlegerin gleichzeitig Vizepräsidentin der IHK und macht sich angeblich sogar Hoffnung, auf den Präsidentenstuhl zu krabbeln.

Wenn die Nordsee-Zeitungs-Mitarbeiter Zweifel haben könnten, welche Art der Berichterstattung gewünscht ist, dann gibt es bekanntlich auch schon einmal eine direkte Anweisung aus der Verlagsleitung. Im Grunde wird es Zeit, einmal eine Sammlung solcher hausinterner Botschaften aus den vergangenen Jahren zu veröffentlichen...

Wer nun heute (30. Oktober 2010) einen Blick in die Nordsee-Zeitung wirft, findet dort im Lokalteil ganz unten auf einer Seite einen winzigkleinen und lieblosen Bericht von gerade einmal 34 Zeilen über den swb-Netzwerk-Award.

Dass es sich dabei um eine durch das Netzwerk i2b und deren Organisator und Ideengeber Hansjörg Troebner initiierte Aktion handelt, erfährt der NZ-Leser nicht. Auch auf dem Foto ist Troebner selbstverständlich nicht zu sehen.

Dass an der Veranstaltung mehr als 120 Gäste teilgenommen haben und dass es sicherlich eine Besonderheit ist, dass die beiden Neubürgerpreise für zwei beeindruckend dynamische junge Frauen durch den Bremerhavener Oberbürgermeister Jörg Schulz und den Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen überreicht wurden - das ist für die Nordsee-Zeitung offensichtlich kein Grund für eine ausführlichere Berichterstattung.

Auf der Webseite von i2b sind schön gemachte filmische Porträts über die Preisträgerinnen Natalie Driemeyer und Jolanthe Ogermann zu sehen. 

Das darf gerne einmal mit der NZ-Berichterstattung verglichen werden, die durch irgendeine belanglose Veranstaltung der IHK ausgelöst wird. 

Erinnert sei hier auch an die ausführliche NZ-Berichterstattung über "wegweisende Banalitäten der IHK für die Zukunft Bremerhavens".

Anzumerken ist, dass dieses Papier nicht einmal von einem offiziellen IHK-Arbeitskreis vorgelegt wurde, sondern von einer privaten Unternehmerinitiative unter Beteiligung der NZ-Verlegerin, die sich das IHK-Deckmäntelchen umgehängt hat.

Für die Nordsee-Zeitung änderte dies nichts daran, dass sie erneut zum Vereinsblättchen für heimische Unternehmerinteressen degradiert wurde. Dass einer dermaßen abfällig behandelten Redaktion die Lust an einer objektiven und kritischen Berichterstattung abhanden kommt, dürfte übrigens nicht besonders verwunderlich sein.