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Mittwoch, 1. Dezember 2010

Arbeitslosigkeit in Bremerhaven im Jahresvergleich gestiegen - Nordsee-Zeitung wählt lieber eine positiv klingende Überschrift aus...

Seestadtpresse Bremerhaven - Mit ihren Überschriften setzt die Nordsee-Zeitung (NZ) gelegentlich ebenso merkwürdige Akzente wie mit ihren Statistiken.

"Wieder mehr freie Stellen gemeldet", titelt die NZ im Lokalteil der Ausgabe vom 1. Dezember 2010. Und im Untertitel heißt es: "Arbeitslosigkeit verharrt bei elf Prozent im Arbeitsamtsbezirk".

Nordsee-Zeitung vom 1. Dezember 2010, Seite 10 (Lokalteil)

Diese Feststellungen sind zwar richtig, aber sie picken sich einen einzelnen Aspekt sowie einen sehr kurzfristigen Vergleichszeitraum heraus. Wer nämlich den langfristigen Vergleich mit demselben Monat des Vorjahres (also mit November 2010) wählt, entdeckt einen Anstieg der Arbeitslosenzahl um mehr als tausend Menschen - von 10.630 auf 11.769. Das ist für den gesamten Arbeitsamtsbezirk, zu dem außer der Stadt Bremerhaven auch der Altkreis Wesermünde gehört, eine Steigerung um gut 10 Prozent.

Könnte es sein, dass diese deutliche Zunahme der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr eine wichtigere Botschaft ist als der Hinweis auf die gestiegene Zahl der offenen Stellen?

Darüber lässt sich mit Recht streiten.

Aber nicht zu bestreiten ist die Tatsache, dass die Überschrift "Wieder mehr freie Stellen gemeldet" sich erheblich besser anhört als die Überschrift "Wieder mehr Arbeitslose gemeldet".

Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass alle diese Angaben im Text sehr wohl korrekt und differenziert angesprochen werden.

Etwas merkwürdig kommt auch die Statistik auf der Titelseite der Nordsee-Zeitung daher.

Nordsee-Zeitung 1. Dezember 2010, Seite 1

Dort wird für die Stadt Bremerhaven eine gleich bleibende Quote von 16,4 Prozent gemeldet. Wer näher hinsieht, kann aber erkennen, dass hier wieder nur der kurzfristige Vergleich zum Vormonat gewählt wurde.

Hätte die Nordsee-Zeitung die Daten von November 2010 und November 2009 verglichen, dann müsste sie die Lage deutlich negativer beschreiben: Denn für die Stadt Bremerhaven ist die Arbeitslosenquote im Jahresvergleich von 14,4 Prozent auf 16,4 Prozent nach oben geklettert.

Nur durch die Wahl des kurzfristigen Vergleichs zum Vormonat kommt die positive Meldung zustande. Auffällig ist, dass in derselben Statistik die Arbeitslosenquote für das Bundesgebiet nicht nur kurzfristig mit dem Vormonat, sondern auch langfristig mit dem Vorjahresmonat verglichen wird.

Das zeigt, dass die Arbeitslosigkeit in der Stadt Bremerhaven gegen den Trend im Bundesgebiet angestiegen ist. Im Bundesgebiet sank die Arbeitslosigkeit in dieser Zeit nämlich von 7,6 auf 7,0 Prozent.

Donnerstag, 4. November 2010

Das Märchen vom deutschen Job-Wunder - Das Medienmagazin "Zapp" zeigt, wie die Mainstream-Medien brav mitspielen...

Seestadtpresse Bremerhaven - In welchem Ausmaß die Arbeitslosenzahlen statistisch manipuliert und geschönt werden, ist seit Jahren bekannt.

Trotzdem spielen die deutschen Mainstream-Medien immer wieder brav mit, wenn die Regierung ihre Propaganda-Aktionen durchführt.

Jüngstes Beispiel dafür ist die Inszenierung der Arbeitsministerin, die in einem wahren Meinungshandstreich die Behauptung von weniger als drei Millionen Arbeitslosen in die Welt setzte.  

Diese Falschaussage wurde mit Hilfe der Medien lauthals in die Welt hinaus trompetet, obwohl die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen laut Statistik der Agentur für Arbeit mindestens um eine Million höher ist.
 
So berichtete beispielsweise die Bremerhavener Nordsee-Zeitung am 29. Oktober 2010...

Die Zahl ist in der offiziellen Statistik der Agentur für Arbeit unter dem Stichwort "Unterbeschäftigung" nachzulesen. Zitat von Seite 15: "Im Oktober belief sich die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) auf 4.060.000."

Das Medienmagazin "Zapp" erläutert dieses skandalöse Mitspielen der Medien in seiner Sendung vom 3. November 2010. Der Titel dieser Sendung: "Das Märchen vom 'Job-Wunder'".

Donnerstag, 3. Juni 2010

Bremerhaven: Negative Entwicklung des Arbeitsmarkts in der Nordsee-Zeitung nicht besonders kritisch beleuchtet...

Seestadtpresse Bremerhaven
Der Bremerhavener Arbeitsmarkt steht immer noch auf sehr schwächlichen Beinen. "Saisontypische Belebung schwach", titelt die Nordsee-Zeitung am 2. Juni 2010 und verweist auf die weiterhin hohe Arbeitslosenquote von 16,3 Prozent in der Stadt.

Allerdings wirkt es etwas eigenartig, das Wort "Belebung" im Zusammenhang mit einer Entwicklung zu verwenden, die durch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit charakterisiert ist - von 15,7 Prozent im Mai 2009 auf 16,3 Prozent im Mai 2010.

Hinzu kommen Punkte, die die Bremerhavener Situation noch negativer erscheinen lassen.

"Statistische Umstellung führt zu 18-Jahres-Bestwert", titelt beispielsweise die Stuttgarter Zeitung am 2. Juni 2010 über die Gesamtentwicklung in Deutschland und vermeldet eine Mai-Arbeitslosigkeit "so niedrig wie seit 1992 nicht mehr". 

Vor diesem positiven Bundestrend steht Bremerhaven noch schlechter da.

Laut Stuttgarter Zeitung ist dieser positive Bundestrend zudem besonderen Umständen zuzuschreiben: "Kurzarbeit, Teilzeit und neue Zählweisen begünstigen die Lage."

So sei eine Veränderung der Statistik für fast die Hälfte des positiven Effekts verantwortlich, und die immer noch hohe Zahl der Kurzarbeiter entlastet die Statistik zusätzlich.

Ein großer Teil der positiven Entwicklung sei darüber hinaus darauf zurückzuführen, dass deutlich mehr Teilzeitstellen entstanden sind, währen die Zahl der Vollzeitstellen bundesweit gesunken sei.

Für Bremerhaven hätte man sich eine ähnlich differenzierte Analyse gewünscht.

Der Arbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit gibt keine Antworten auf solche Fragen, und auch die Nordsee-Zeitung hat eine solche Analyse nicht geliefert.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Die Bremerhavener Nordsee-Zeitung ist bei den Arbeitslosenzahlen offensichtlich nicht auf der Höhe der Zeit...

(Seestadtpresse) (Andreas Müller) In der Bremerhavener Nordsee-Zeitung ist am Mittwoch, dem 20. Januar 2010, ein Artikel mit der Überschrift "Arbeitsmarkt in Krise robust" zu lesen.

Ein Zitat aus der Nordsee-Zeitung: "Die Arbeitslosenquote ist von 11,6 auf 10,6 Prozent gesunken."

Was sind das für Zahlen ?

Offiziell heißt es doch, dass Bremerhaven 14,4 Prozent Arbeitslose hat.

Und wenn wir uns die Zahlen einmal genauer anschauen, insbesondere die Zahlen der Unterbeschäftigung, dann hat Bremerhaven sogar 20,4 Prozent Arbeitslose. Also ist hier jeder Fünfte arbeitslos. Das kann man hier in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit nachlesen.

Dort kann man eine Tabelle herunterladen, und dort wird in der Bilanzierung das ganze Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Bremerhaven sichtbar. Wieso werden diese Zahlen nicht korrekt erwähnt?

Anscheinend hat der zuständige Redakteur auch übersehen, dass der Gesamthafen-Betriebsverein (GHB) im letzten Jahr über 1000 Menschen (angekündigt waren ja 1400) entlassen hat.

Das wird im Artikel nicht einmal erwähnt, und seltsamerweise tauchen diese Entlassenen auch nicht in der Quote auf.

Vermutlich liegt das daran, dass just zur Ankündigung der Entlassungen beim GHB die Firma Context WAE in Bremerhaven an den Start gegangen ist.

WAE context ist ein privater Arbeitsvermittler, der im Rahmen der Maßnahme "GANZIL" über 1200 Arbeitssuchende in Bremerhaven betreut. Wie ja jeder weiß, tauchen Arbeitslose, die von einem privaten Arbeitsvermittler betreut werden, nicht in der offiziellen Quote der Agentur für Arbeit auf.

Und dann kann man natürlich von einem robusten Arbeitsmarkt sprechen.

Zitat Nordsee-Zeitung: "Verglichen mit der Vergangenheit hat sich die Situation in der Seestadt deutlich verbessert."

Fazit: Die Arbeitslosenstatistik ist offensichtlich die verlogenste Statistik, die in Deutschland erstellt wird, das gilt auch für die Zahlen in Bremerhaven.

Hier werden alle Möglichkeiten ausgenutzt, um der Öffentlichkeit schöne Zahlen präsentieren zu können und um den Lesern vorzugaukeln, SPD und CDU leisten in der Arbeitsmarktpolitik ein gute Arbeit.

Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Das zeigt die Zahl der Unterbeschäftigung von derzeit 20,4 Prozent in Bremerhaven.

Ergänzung DK: Zur jüngsten Entwicklung der Arbeitslosigkeit liefert Joachim Jahnke am 28. Januar 2010 einen Überblick.

Freitag, 29. Mai 2009

Manipulierte Zahlen über Arbeitslosigkeit täuschen ein Wende zum Besseren vor - Joachim Jahnke mit Hintergrundinformationen...

Die Berichterstattung über die aktuelle Wirtschaftskrise stürzt sich häufig auf die Darstellung kurzer Ausschnitte der Entwicklung. So finden sich Meldungen über sinkende Arbeitslosenzahlen, ohne dass der Zusammenhang analysiert würde.

Dazu müssten beispielsweise statistische Manipulationen gehören, mit deren Hilfe die Zahl der Arbeitslosen scheinbar nach unten gedrückt wird, ohne dass dies in der Wirklichkeit passiert werde. Fachleute sprechen dann bestenfalls verschleiernd von "statistischen Effekten", verzichten aber oft auf kritische Bemerkungen über die dahinter stehenden politischen Absichten.

Wer an kenntnisreichen Erläuterungen der Hintergründe der Arbeitslosenstatistik interessiert ist, findet Auskunft im "Informationsportal Globalisierung" bei Joachim Jahnke.

Montag, 2. März 2009

"Bremerhaven als Leuchtturm im Norden" - Nordsee-Zeitung mit merkwürdigen Kritierien für Leuchttürme...

Wer nur mit Entwicklungen argumentiert, ohne die Gesamtlage in die Gewichtung einzubeziehen, kann zu merkwürdigen Einschätzungen kommen.

Ein Beispiel, das wie die meisten Beispiele nur einen Gedanken illustrieren soll:

Wenn ein Mensch JÖRG bei einem Monatseinkommen von 1000 Euro insgesamt 100.000 Euro Schulden aufgehäuft hat, dürfte ein Beobachter seine finanzielle Lage mit gewissen Bedenken betrachten, auch wenn sich seine Verschuldung im vergangenen Jahr nicht mehr weiter erhöht hat.

Nun hat JÖRG einen Nachbarn BERNHARD, der bei einem ganz ähnlichen Einkommen nur 5000 Euro Schulden hat. Allerdings musste er durch ein Unglück im vergangenen Jahr eine Verdopplung seiner nicht besonders hohen Schuldenlast in Kauf nehmen.

"Im Vergleich zu diesem leichtsinnigen Schuldenvermehrer bin ich ja geradezu eine Leuchtturm an Stablilität", freut sich JÖRG.

Der Beobachter staunt über diese Art der Bewertung.

Ähnlich kurios argumentiert die Nordsee-Zeitung am 27. Februar 2009 auf Seite 1: "Bremerhaven als Leuchtturm des Nordens".

Die Begründung der NZ: "Bundesweit steigt die Arbeitslosigkeit - in Bremerhaven blieb die Lage im Februar aber erstaunlich stabil." Neben Vechta sei Bremerhaven "der einzige Bezirk im Norden mit rückläufigen Zahlen".

Allein diese Stabilität reicht der Nordsee-Zeitung bereits für ein positives Urteil aus, auch wenn es sich dabei um eine Stabilität auf sehr hohem Negativniveau handelt (nämlich mit einer im bundesweiten Vergleich sehr hohen Arbeitslosenquote von rund 16 Prozent).

"Bremerhaven als Leuchtturm im Norden", lobt die Nordsee-Zeitung.

Merkwürdiger Leuchtturm.