Seestadtpresse Bremerhaven - Die deutsche Presse hat in ihren Hauptströmungen zur Zeit keine besonders guten Zensuren verdient. Zu große Unternehmerhörigkeit, zu wenig gedankliche Distanz zum Mainstream, allzu bunte Hohlheit, zu wenig fundierte Kritik am politischen Geschehen, so könnte eine Zwischenbilanz aussehen.
Eine solche kritische Diagnose unserer Presselandschaft lässt sich an Lokalzeitungen wie der Bremerhavener Nordsee-Zeitung ebenso festmachen wie an den großen Akteuren vom Schlage der Magazine "stern" und "Spiegel".
Ein paar kritische Anmerkungen der interessanteren Art finden sich zu diesem Thema auf der Internetseite "fair berichten".
Der Berichterstatter stützt sich auf das Online-Magazin mit Namen "Schweiz Magazin". Zwar ist die dortige Pauschalkritik überzogen (das gilt auch für die Beobachtung, die Macht der deutschen Massenmedien sei gebrochen), aber es gibt ein paar Hinweise auf eine zunehmend interessante Korrekturinstanz gegenüber üblich gewordenen Manipulationen und Einseitigkeiten - eine wache Schar von Beobachterinnen und Beobachtern in Foren und Blogs.
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Mittwoch, 27. Oktober 2010
Freitag, 1. Oktober 2010
Griechenland-Berichterstattung in der deutschen Presse katastrophal tendenziös - Falschmeldungen und Einseitigkeiten...
Seestadtpresse Bremerhaven - Auf die höchst einseitige und tendenziöse Berichterstattung der deutschen Mainstream-Medien über die finanziellen Gepflogenheiten im Lande Griechenland sind nicht nur Deppen, sondern auch kluge Stammtische hereingefallen. Was gab es da für Spekulationen über Höchstrenten der Beamten, über Schwarzarbeit und Korruption...
In einem Beitrag für das Magazin der Süddeutschen Zeitung am 24. September 2010 stellt der SZ-Mitarbeiter Alexandros Stefanidis einigen Unsinn richtig.
Als Kernpunkt sei hier die seiner Meinung nach "hundsmiserabel recherchierte" (Falsch-)Meldung angeführt, nach der griechische Staatsbeamte mit 97 Prozent ihres letzten Gehalts in den Ruhestand gehen. Tatsächlich erhalten die Beamten 97 Prozent ihres Grundgehalts, das aber nur gut die Hälfte des gesamten Einkommens ausmacht. Die Folge laut Stefanidis: "Griechische Beamte bekommen nur die Hälfte ihres letzten Gehalts als Rente...". (Hervorhebung DK)
Nach seinen Informationen liegt die griechische Durchschnittsrente mit 617 Euro nur sehr knapp über der für Deutschland definierten Armutsgrenze. Das mittlere Renteneintrittsalter beträgt in Griechenland 61,4 Jahre und liegt über dem europäischen Durchschnitt, der knapp 60 Jahre beträgt.
Zum Thema Korruption macht Stefanidis darauf aufmerksam, dass der größte griechische Korruptionsskandal mit dem Namen Siemens verknüpft sei. Der in Athen per Haftbefehl gesuchte Siemens-Manager halte sich in seiner Villa am Starnberger See auf und sei vor der Auslieferung geschützt.
Als Beispiel für den bisherigen griechischen Luxus und die aktuellen Sparmaßnahmen nennt der SZ-Autor einen Verwandten, der im 15. Dienstjahr als Lehrer arbeitet. Dafür erhielt er bisher ein Gehalt von 1370 Euro, das jetzt auf nur noch 1107 Euro gekürzt wird. Ein anderer Verwandter bekommt seit seiner Kündigung ein Arbeitslosengeld von 290 Euro. Nach einem Jahr enden diese Zahlungen. Dann muss die Familie einspringen.
Auch in Griechenland ärgern sich übrigens die Leute über das Gequassel, dass "wir alle" über unsere Verhältnisse gelebt hätten. Da sollten wie bei uns auch vielleicht doch die oberen und die unteren Einkommensschichten auseinander gehalten werden...
Was die Griechenland-Berichterstattung in der deutschen Presse angeht, zitiert Stefanidis Michael Spreng, den früheren Chefredakteur der Bild am Sonntag: "Ineiner seit dem Kampf des Springer-Verlages gegen die Ostverträge beispiellosen Kampagne... versuchte Bild die Leser gegen die Griechen in einer Form aufzuwiegeln, die an Volksverhetzung grenzte." (Hervorhebung DK)
In einem Beitrag für das Magazin der Süddeutschen Zeitung am 24. September 2010 stellt der SZ-Mitarbeiter Alexandros Stefanidis einigen Unsinn richtig.
Als Kernpunkt sei hier die seiner Meinung nach "hundsmiserabel recherchierte" (Falsch-)Meldung angeführt, nach der griechische Staatsbeamte mit 97 Prozent ihres letzten Gehalts in den Ruhestand gehen. Tatsächlich erhalten die Beamten 97 Prozent ihres Grundgehalts, das aber nur gut die Hälfte des gesamten Einkommens ausmacht. Die Folge laut Stefanidis: "Griechische Beamte bekommen nur die Hälfte ihres letzten Gehalts als Rente...". (Hervorhebung DK)
Nach seinen Informationen liegt die griechische Durchschnittsrente mit 617 Euro nur sehr knapp über der für Deutschland definierten Armutsgrenze. Das mittlere Renteneintrittsalter beträgt in Griechenland 61,4 Jahre und liegt über dem europäischen Durchschnitt, der knapp 60 Jahre beträgt.
Zum Thema Korruption macht Stefanidis darauf aufmerksam, dass der größte griechische Korruptionsskandal mit dem Namen Siemens verknüpft sei. Der in Athen per Haftbefehl gesuchte Siemens-Manager halte sich in seiner Villa am Starnberger See auf und sei vor der Auslieferung geschützt.
Als Beispiel für den bisherigen griechischen Luxus und die aktuellen Sparmaßnahmen nennt der SZ-Autor einen Verwandten, der im 15. Dienstjahr als Lehrer arbeitet. Dafür erhielt er bisher ein Gehalt von 1370 Euro, das jetzt auf nur noch 1107 Euro gekürzt wird. Ein anderer Verwandter bekommt seit seiner Kündigung ein Arbeitslosengeld von 290 Euro. Nach einem Jahr enden diese Zahlungen. Dann muss die Familie einspringen.
Auch in Griechenland ärgern sich übrigens die Leute über das Gequassel, dass "wir alle" über unsere Verhältnisse gelebt hätten. Da sollten wie bei uns auch vielleicht doch die oberen und die unteren Einkommensschichten auseinander gehalten werden...
Was die Griechenland-Berichterstattung in der deutschen Presse angeht, zitiert Stefanidis Michael Spreng, den früheren Chefredakteur der Bild am Sonntag: "Ineiner seit dem Kampf des Springer-Verlages gegen die Ostverträge beispiellosen Kampagne... versuchte Bild die Leser gegen die Griechen in einer Form aufzuwiegeln, die an Volksverhetzung grenzte." (Hervorhebung DK)
Sonntag, 19. September 2010
Dreiste und zukunftsblinde Atompolitik der Bundesregierung, Arm in Arm mit den Energiekonzernen - Die deutsche Mainstream-Presse hält andere Themen für viel wichtiger...
Seestadtpresse Bremerhaven - In Berlin demonstrieren am 18. September 2010 (nach Angabe der Veranstalter) rund 100000 Menschen gegen die Atompolitik der konservativen Bundesregierung, und unserer Mainstream-Presse ist das kaum ein Wort wert (zumindest nicht in ihren Online-Ausgaben).
Der Spiegel titelt am Tag danach "Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus", der stern rückt einen satirischen Wochenüberblick unter der Überschrift "Schnee, Fleisch und andere Drogen" weit nach oben, und selbst die Süddeutsche Zeitung hält offensichtlich ein Gespräch zwischen Sarah Wagenknecht und Hans-Dieter Sinn für erheblich wichtiger.
So entstehen wirre Welt-Bilder in den Köpfen der Bundesrepublikaner: Da kann eine Bundesregierung immer dreister Lobby-Interessen vertreten und gegen jede Vernunft die Atomenergie und ihre Konzerne weiterhin finanziell fördern - und die Mainstream-Presse will diesen Skandal nicht ins Blickfeld rücken.
Der Spiegel organisiert in seinem Online-Auftritt sogar Unterstützung für die Politik der Bundesregierung und wirbt für das neue Spiegel-Titelthema "Der teure Traum von der sauberen Energie".
Der Spiegel titelt am Tag danach "Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus", der stern rückt einen satirischen Wochenüberblick unter der Überschrift "Schnee, Fleisch und andere Drogen" weit nach oben, und selbst die Süddeutsche Zeitung hält offensichtlich ein Gespräch zwischen Sarah Wagenknecht und Hans-Dieter Sinn für erheblich wichtiger.
So entstehen wirre Welt-Bilder in den Köpfen der Bundesrepublikaner: Da kann eine Bundesregierung immer dreister Lobby-Interessen vertreten und gegen jede Vernunft die Atomenergie und ihre Konzerne weiterhin finanziell fördern - und die Mainstream-Presse will diesen Skandal nicht ins Blickfeld rücken.
Der Spiegel organisiert in seinem Online-Auftritt sogar Unterstützung für die Politik der Bundesregierung und wirbt für das neue Spiegel-Titelthema "Der teure Traum von der sauberen Energie".
Dienstag, 24. August 2010
Bremerhaven: Kuriose Besucherzahlenakrobatik und argumentativer Eiertanz - Maritime Großveranstaltung SAIL wird immer wieder gerne schön gerechnet - ...
Seestadtpresse Bremerhaven - Die maritime Großveranstaltung SAIL ist vielen Menschen eine wirkliche Herzensangelegenheit und erfreut stets eine riesige Schar begeisterter Windjammer-Fans.
Um so erstaunlicher ist es, dass immer wieder mit kuriosen Zahlen hantiert wird, um die Kosten der Veranstaltung schön zu rechnen.
"Sail füllt die Kassen in Bremerhaven", meldete beispielsweise der Weser-Kurier (WK) am 23. August 2010 auf seiner Titelseite. Als Gesamtkosten der diesjährigen SAIL werden dort 1,9 Millionen Euro genannt, von denen knapp 1,1 Millionen Euro aus der Kasse des Landes Bremen kommen sollen.
Dagegen steht laut Darstellung im Weser-Kurier ein "deutliches Umsatzplus durch die eine Million Besucher". Urheber dieser Schätzung ist ein Sprecher des seit seiner Gründung mit öffentlichen Mitteln heftig unterstützten Vereins der Bremerhavener Innenstadtkaufleute namens "City Skipper".
Das genannte "Umsatzplus in der Region" durch die SAIL wird mit 4 Millionen Euro beziffert.
Um den Hintergrund zu beleuchten, wird aus der Senatsvorlage die Zahl von 324000 gewerbliche Übernachtungen in den Hotels genannt. Etwas später ist die Rede von zusätzlich "216000 Gästen, die privat untergebracht sind".
Das ist zunächst einmal ein Beispiel für das beliebte Verwirrmuster, ständig zwischen "Übernachtungen" und "Gästen" hin und her zu hüpfen. Die Zahl der Gäste ist bei korrekter Berechnung stets geringer als die Zahl der Übernachtungen, da manche Gäste bekanntlich mehrere Tage bleiben. Gern genannt werden übrigens auch "Ankunftszahlen", weil darin zusätzlich zu den Übernachtungsgästen auch noch die Tagesgäste enthalten sind.
Im Übrigen dürfte klar sein, dass sich die genannte (erhoffte) Zahl von 324000 gewerblichen Übernachtungen selbstverständlich nicht allein auf die SAIL bezieht, sondern nur für das ganze Jahr 2010 gelten kann.
Ein Hinweis: Die IHK nennt in ihrem Statistischen Jahresbericht für das Jahr 2009 eine Gesamtzahl von 299.686 Übernachtungen in Bremerhaven.
WK-Leserinnen und -Leser finden dann eine weitere interessante Zahlenangabe. BIS-Chef Volker Kölling schätzt, jeder "Übernachtungsgast" lasse bei der SAIL 90 Euro, die in irgendeiner (privaten) Kasse der Region landen sollen.
Schon eine überschlägige Rechnung sollte zeigen, dass da irgendetwas nicht stimmen kann.Denn selbst wenn nur 100000 Übernachtungsgäste zusätzlich zur SAIL kämen und jeder von ihnen 90 Euro in der Stadt ließe, bedeutete das Mehrumsätze von 9 Millionen Euro. Hinzu kommen die vielen 100000 Tagesgäste, die im Schnitt laut WK "auf jeden Fall um die 50 Euro" ausgeben sollen.
Bei überschlägiger Rechnung wären das (bei einmal angenommenen 700000 Tagesgästen) weitere 35 Millionen Euro an zusätzlichen Umsätzen.
Warum kommen dann die sicherlich nicht besonders pessimistischen City-Skipper-Schätzungen auf gerade einmal 4 Millionen Euro zusätzlicher Umsätze?
BIS-Chef Kölling zeigt sich angesichts dieses Zahlen-Durcheinanders gleichwohl optimistisch, "dass der volkswirtschaftliche Effekt den Zuschuss bei Weitem übertreffen wird".
Das ist wieder ein Begriff, der gern ins Feld geführt wird - vermutlich weil er mit nichts als Schätzungen und Annahmen gefüllt werden muss und nie konkret zu ermitteln ist.
Auffällig ist, dass all diese Pseudo-Berechnungen immer nur in den Vorlagen zur Bewilligung der öffentlichen Zuschüsse eine Rolle spielen. In der öffentlichen Berichterstattung ist davon nur sehr selten die Rede.
Von einer kritischen Überprüfung der Zahlen ist in der öffentlichen Berichterstattung noch seltener die Rede.
Weitere Anmerkung: Vor fünf Jahren ergab die Gästebefragung durch die Firma ITF Research, dass jeder SAIL-Besucher 21,40 Euro ausgegeben hat. Bei seinerzeit veranschlagten 1,7 Millionen Besuchern wären das rund 36 Millionen Euro, die in die Kassen auf dem Festgelände geklimpert sein müssten, berichtete das Bremerhavener Sonntagsjournal am 18. September 2005.
Das ITF nannte 2005 einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro durch den Tourismus in Bremerhaven. Das entsprach laut ITF einem Beschäftigten-Äquivalent von 889 Arbeitskräften über das Jahr und einem Steueraufkommen von 1,25 Millionen Euro.
Wird diese Messlatte angelegt, dann könnte die diesjährige SAIL mit ihren geschätzten vier Millionen Euro an zusätzlichen Umsätzen also für die öffentlichen Kassen bestenfalls 100000 Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen bringen - nicht allzu viel bei einem öffentlichen Zuschuss von knapp 1,1 Millionen Euro.
Wer zu dieser etwas unübersichtlichen Zahlenakrobatik rund um die SAIL Erhellendes beisteuern kann, ist herzlich eingeladen, die Kommentierungsmöglichkeit dieses Blogs zu nutzen.
Um so erstaunlicher ist es, dass immer wieder mit kuriosen Zahlen hantiert wird, um die Kosten der Veranstaltung schön zu rechnen.
"Sail füllt die Kassen in Bremerhaven", meldete beispielsweise der Weser-Kurier (WK) am 23. August 2010 auf seiner Titelseite. Als Gesamtkosten der diesjährigen SAIL werden dort 1,9 Millionen Euro genannt, von denen knapp 1,1 Millionen Euro aus der Kasse des Landes Bremen kommen sollen.
Dagegen steht laut Darstellung im Weser-Kurier ein "deutliches Umsatzplus durch die eine Million Besucher". Urheber dieser Schätzung ist ein Sprecher des seit seiner Gründung mit öffentlichen Mitteln heftig unterstützten Vereins der Bremerhavener Innenstadtkaufleute namens "City Skipper".
Das genannte "Umsatzplus in der Region" durch die SAIL wird mit 4 Millionen Euro beziffert.
Um den Hintergrund zu beleuchten, wird aus der Senatsvorlage die Zahl von 324000 gewerbliche Übernachtungen in den Hotels genannt. Etwas später ist die Rede von zusätzlich "216000 Gästen, die privat untergebracht sind".
Das ist zunächst einmal ein Beispiel für das beliebte Verwirrmuster, ständig zwischen "Übernachtungen" und "Gästen" hin und her zu hüpfen. Die Zahl der Gäste ist bei korrekter Berechnung stets geringer als die Zahl der Übernachtungen, da manche Gäste bekanntlich mehrere Tage bleiben. Gern genannt werden übrigens auch "Ankunftszahlen", weil darin zusätzlich zu den Übernachtungsgästen auch noch die Tagesgäste enthalten sind.
Im Übrigen dürfte klar sein, dass sich die genannte (erhoffte) Zahl von 324000 gewerblichen Übernachtungen selbstverständlich nicht allein auf die SAIL bezieht, sondern nur für das ganze Jahr 2010 gelten kann.
Ein Hinweis: Die IHK nennt in ihrem Statistischen Jahresbericht für das Jahr 2009 eine Gesamtzahl von 299.686 Übernachtungen in Bremerhaven.
WK-Leserinnen und -Leser finden dann eine weitere interessante Zahlenangabe. BIS-Chef Volker Kölling schätzt, jeder "Übernachtungsgast" lasse bei der SAIL 90 Euro, die in irgendeiner (privaten) Kasse der Region landen sollen.
Schon eine überschlägige Rechnung sollte zeigen, dass da irgendetwas nicht stimmen kann.Denn selbst wenn nur 100000 Übernachtungsgäste zusätzlich zur SAIL kämen und jeder von ihnen 90 Euro in der Stadt ließe, bedeutete das Mehrumsätze von 9 Millionen Euro. Hinzu kommen die vielen 100000 Tagesgäste, die im Schnitt laut WK "auf jeden Fall um die 50 Euro" ausgeben sollen.
Bei überschlägiger Rechnung wären das (bei einmal angenommenen 700000 Tagesgästen) weitere 35 Millionen Euro an zusätzlichen Umsätzen.
Warum kommen dann die sicherlich nicht besonders pessimistischen City-Skipper-Schätzungen auf gerade einmal 4 Millionen Euro zusätzlicher Umsätze?
BIS-Chef Kölling zeigt sich angesichts dieses Zahlen-Durcheinanders gleichwohl optimistisch, "dass der volkswirtschaftliche Effekt den Zuschuss bei Weitem übertreffen wird".
Das ist wieder ein Begriff, der gern ins Feld geführt wird - vermutlich weil er mit nichts als Schätzungen und Annahmen gefüllt werden muss und nie konkret zu ermitteln ist.
Auffällig ist, dass all diese Pseudo-Berechnungen immer nur in den Vorlagen zur Bewilligung der öffentlichen Zuschüsse eine Rolle spielen. In der öffentlichen Berichterstattung ist davon nur sehr selten die Rede.
Von einer kritischen Überprüfung der Zahlen ist in der öffentlichen Berichterstattung noch seltener die Rede.
Weitere Anmerkung: Vor fünf Jahren ergab die Gästebefragung durch die Firma ITF Research, dass jeder SAIL-Besucher 21,40 Euro ausgegeben hat. Bei seinerzeit veranschlagten 1,7 Millionen Besuchern wären das rund 36 Millionen Euro, die in die Kassen auf dem Festgelände geklimpert sein müssten, berichtete das Bremerhavener Sonntagsjournal am 18. September 2005.
Das ITF nannte 2005 einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro durch den Tourismus in Bremerhaven. Das entsprach laut ITF einem Beschäftigten-Äquivalent von 889 Arbeitskräften über das Jahr und einem Steueraufkommen von 1,25 Millionen Euro.
Wird diese Messlatte angelegt, dann könnte die diesjährige SAIL mit ihren geschätzten vier Millionen Euro an zusätzlichen Umsätzen also für die öffentlichen Kassen bestenfalls 100000 Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen bringen - nicht allzu viel bei einem öffentlichen Zuschuss von knapp 1,1 Millionen Euro.
Wer zu dieser etwas unübersichtlichen Zahlenakrobatik rund um die SAIL Erhellendes beisteuern kann, ist herzlich eingeladen, die Kommentierungsmöglichkeit dieses Blogs zu nutzen.
Freitag, 11. Juni 2010
"Fall Emmely": Bundesarbeitsgericht stuft Rauswurf nach 31 Jahren wegen unterschlagener Pfandbons im Wert von 1,30 Euro als rechtswidrig ein - Die FAZ kommentiert überraschend...
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) weicht zwar von ihrem Grundkurs nie sehr weit ab und vertritt verlässlich die politischen Positionen der reichen deutschen Eliten, aber gelegentlich ist das Blatt durchaus für kleine Überraschungen gut.
So wundert sich die FAZ in ihrer gedruckten Ausgabe vom 11. Juni 2010 über die bisherige Rechtsprechung der Arbeitsgerichte, die stets hohe Ansprüche an die Zuverlässigkeit der Beschäftigten gestellten hätten.
Kommentar der FAZ: "Merkwürdig: Hier werden an die oft schwarz beschäftigten oder mit Kameras überwachten Angehörigen der unteren Lohngruppen Ansprüche gestellt, die selbst das Top-Management nicht erfüllt."
Schließlich sei beim Top-Management die "private Nutzung von Mitteln des Arbeitgebers" durchaus die Regel, "und da geht es nicht nur um 1,30 Euro", so die FAZ.
Eine Anmerkung des sorbischen Dichters Jurij Brezan: "Irgendwie stimmt die Optik nicht, wenn man am Großen das Krumme nicht so sehr, am Kleinen aber um so deutlicher sieht."
So wundert sich die FAZ in ihrer gedruckten Ausgabe vom 11. Juni 2010 über die bisherige Rechtsprechung der Arbeitsgerichte, die stets hohe Ansprüche an die Zuverlässigkeit der Beschäftigten gestellten hätten.
Kommentar der FAZ: "Merkwürdig: Hier werden an die oft schwarz beschäftigten oder mit Kameras überwachten Angehörigen der unteren Lohngruppen Ansprüche gestellt, die selbst das Top-Management nicht erfüllt."
Schließlich sei beim Top-Management die "private Nutzung von Mitteln des Arbeitgebers" durchaus die Regel, "und da geht es nicht nur um 1,30 Euro", so die FAZ.
Eine Anmerkung des sorbischen Dichters Jurij Brezan: "Irgendwie stimmt die Optik nicht, wenn man am Großen das Krumme nicht so sehr, am Kleinen aber um so deutlicher sieht."
Freitag, 4. Juni 2010
Israel-Berichterstattung in der deutschen Presse mit gelegentlicher Schlagseite - Beispiel: Die Äußerungen des Schriftstellers Henning Mankell...
Wer die Einäugigkeit und Befangenheit in vielen deutschen Zeitungen und anderen Medien gegenüber Israel betrachten möchte, möge einen kleinen Vergleich am Beispiel des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell durchführen.
Mankell beteiligte sich vor wenigen Tagen an dem Versuch, mit Hilfe mehrere Schiffe die israelische Blockade des Gaza-Streifens zu durchbrechen und Hilfsgüter zu den seit Jahren von der Außenwelt abgeschnittenen Menschen zu bringen. Das israelische Militär sorgte für ein blutiges Ende dieses Versuchs und löste mit seinem brutalen Vorgehen in internationalen Gewässern weltweite Proteste aus.
Mankell gab über seine Beobachtungen während der Fahrt während einer Pressekonferenz in Berlin Auskunft. Das Protokoll dieser Pressekonferenz wurde in der Tageszeitung "junge Welt" vom 5. Juni 2010 dokumentiert und sollte als Basis zuerst gelesen werden.
In einer Einleitung zu dieser Dokumentation erinnert die Redaktion - sozusagen als Begründung für den Abdruck der Dokumentation - an die Berichterstattung deutscher Zeitungen aus der Berliner Volksbühne, wo sich laut "junge Welt" "»eine knappe Hundertschaft Journalisten und Kameraleute versammelt« (Spiegel online) hatte. Bild (Freitagausgabe) erklärte den Bestsellerautor ob seiner Ausführungen (»steigert sich immer mehr in seine absurde Wut auf Israel hinein«) zum »Verlierer des Tages«. Die Süddeutsche Zeitung meldete, Mankell habe »mit einem Furor über den grauenhaften Morgen im Mittelmeer« gesprochen. Der Autor verdiene viele Millionen mit Krimis und leiste sich den Luxus, ein linker Moralist zu sein."
Wer die Texte nachlesen möchte, kann die folgenden Links nutzen - zum Spiegel-Text vom 3. Juni 2010, zur Süddeutschen Zeitung vom 4. Juni 2010, zur Berliner Tageszeitung taz vom 4. Juni 2010 mit einem Kommentar von Stefan Reinicke unter der Überschrift "Der aufgebrachte Passagier".
Selbstverständlich kann in all diesen Beispielen nicht von Hetze oder ähnlich schlimmen Vorwürfen die Rede sein, sehr wohl aber von klammheimlicher Häme und kleinlichen Unterstellungen.
Mensch muss allerdings schon etwas genauer hinsehen und auf die Zwischentöne achten, um das zu erkennen.
Mankell beteiligte sich vor wenigen Tagen an dem Versuch, mit Hilfe mehrere Schiffe die israelische Blockade des Gaza-Streifens zu durchbrechen und Hilfsgüter zu den seit Jahren von der Außenwelt abgeschnittenen Menschen zu bringen. Das israelische Militär sorgte für ein blutiges Ende dieses Versuchs und löste mit seinem brutalen Vorgehen in internationalen Gewässern weltweite Proteste aus.
Mankell gab über seine Beobachtungen während der Fahrt während einer Pressekonferenz in Berlin Auskunft. Das Protokoll dieser Pressekonferenz wurde in der Tageszeitung "junge Welt" vom 5. Juni 2010 dokumentiert und sollte als Basis zuerst gelesen werden.
In einer Einleitung zu dieser Dokumentation erinnert die Redaktion - sozusagen als Begründung für den Abdruck der Dokumentation - an die Berichterstattung deutscher Zeitungen aus der Berliner Volksbühne, wo sich laut "junge Welt" "»eine knappe Hundertschaft Journalisten und Kameraleute versammelt« (Spiegel online) hatte. Bild (Freitagausgabe) erklärte den Bestsellerautor ob seiner Ausführungen (»steigert sich immer mehr in seine absurde Wut auf Israel hinein«) zum »Verlierer des Tages«. Die Süddeutsche Zeitung meldete, Mankell habe »mit einem Furor über den grauenhaften Morgen im Mittelmeer« gesprochen. Der Autor verdiene viele Millionen mit Krimis und leiste sich den Luxus, ein linker Moralist zu sein."
Wer die Texte nachlesen möchte, kann die folgenden Links nutzen - zum Spiegel-Text vom 3. Juni 2010, zur Süddeutschen Zeitung vom 4. Juni 2010, zur Berliner Tageszeitung taz vom 4. Juni 2010 mit einem Kommentar von Stefan Reinicke unter der Überschrift "Der aufgebrachte Passagier".
Selbstverständlich kann in all diesen Beispielen nicht von Hetze oder ähnlich schlimmen Vorwürfen die Rede sein, sehr wohl aber von klammheimlicher Häme und kleinlichen Unterstellungen.
Mensch muss allerdings schon etwas genauer hinsehen und auf die Zwischentöne achten, um das zu erkennen.
Mittwoch, 5. Mai 2010
Das bittere Sparprogramm für die griechische Bevölkerung wird als Vorbild für das übrige Europa dienen - Die Süddeutsche Zeitung stellt klar...
"Die Milliardenhilfe für Griechenland ist geknüpft an ein beispielloses Sparprogramm. Wenn es umgesetzt wird, dient es als Blaupause für ganz Europa" - mit diesem Satz benennt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe vom 5. Mai 2010 einen Kernpunkt der aktuellen Debatte über Griechenland.
Man achte darauf, dass in der deutschen Presse ständig von "den Griechen" geredet und geschrieben wird, die ein bitteres Sparprogramm durchzustehen haben.
Wer etwas genauer hinsieht, kann leicht erkennen, welche Teile der griechischen Gesellschaft zu sparen haben - vorrangig die kleinen Leute und selbstverständlich nur in sehr geringem Umfang die reichen Absahner.
Diese "Blaupause" ist seit langem auch in den übrigen Ländern der Welt einschließlich Deutschlands zu erkennen.
Vor diesem Hintergrund ist der heftige Widerstand der griechischen Bevölkerung gegen das aufgezwungene Sparprogramm auch ein Versuch, die ständige Ausweitung dieser unsozialen Politik auf dem Rücken der kleinen Leute wenigstens ein wenig abzubremsen...
Man achte darauf, dass in der deutschen Presse ständig von "den Griechen" geredet und geschrieben wird, die ein bitteres Sparprogramm durchzustehen haben.
Wer etwas genauer hinsieht, kann leicht erkennen, welche Teile der griechischen Gesellschaft zu sparen haben - vorrangig die kleinen Leute und selbstverständlich nur in sehr geringem Umfang die reichen Absahner.
Diese "Blaupause" ist seit langem auch in den übrigen Ländern der Welt einschließlich Deutschlands zu erkennen.
Vor diesem Hintergrund ist der heftige Widerstand der griechischen Bevölkerung gegen das aufgezwungene Sparprogramm auch ein Versuch, die ständige Ausweitung dieser unsozialen Politik auf dem Rücken der kleinen Leute wenigstens ein wenig abzubremsen...
Donnerstag, 3. September 2009
Wie wirkt sich die Macht großer Konzerne aus? - Paul Krugman kommentiert...
(Seestadtpresse) Wenn kluge Leute Zwischenbilanzen ziehen, lohnt sich oft das Hinhören.
Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman gehört zu diesen klugen Leuten, und er verglich in der New York Times vom 31. August 2009 das Schicksal der großen Gesundheitsreform heute mit den Zeiten vor etwa 35 Jahren, als Richard Nixon Präsident war.
Krugman nennt als erhebliche Unterschiede nicht nur eine andere Republikanische Partei (sie habe damals zumindest noch über führende Personen verfügt, die rational über politische Fragen diskutieren konnten; heute charakterisiert er die G.O.P. als eine extremistische Partei).
Krugman verweist auch darauf, dass damals politische Entscheidungen noch längst nicht so stark durch die finanzielle Macht der großen Konzerne ("corporate cash") beeinflusst wurden.
Krugman spricht von einer kräftigen Ausdehnung des Einflusses der Konzerne ("vast expansion of corporate influence"). Dies sei deutlich an den Diskussionen über die amerikanische Gesundheitspolitik zu spüren.
Allerdings lässt er keinen Zweifel daran, dass die großen Konzerne auch jeden anderen Reformversuch, der nicht in ihrem Interesse abläuft, zu einem Spießrutenlaufen zwischen Lobbyarbeit und Lügen ("gantlet of lobbying and lies") machen würden.
Auf diese Weise werde ein zutiefst disfunktionales politisches System durch fest eingewurzelte Interessen aufrechterhalten, so Krugman.
Wie weit Deutschland auf diesem Weg ebenfalls vorangekommen ist, ist leicht an der Berichterstattung über tagespolitische Auseinandersetzungen abzulesen.
Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman gehört zu diesen klugen Leuten, und er verglich in der New York Times vom 31. August 2009 das Schicksal der großen Gesundheitsreform heute mit den Zeiten vor etwa 35 Jahren, als Richard Nixon Präsident war.
Krugman nennt als erhebliche Unterschiede nicht nur eine andere Republikanische Partei (sie habe damals zumindest noch über führende Personen verfügt, die rational über politische Fragen diskutieren konnten; heute charakterisiert er die G.O.P. als eine extremistische Partei).
Krugman verweist auch darauf, dass damals politische Entscheidungen noch längst nicht so stark durch die finanzielle Macht der großen Konzerne ("corporate cash") beeinflusst wurden.
Krugman spricht von einer kräftigen Ausdehnung des Einflusses der Konzerne ("vast expansion of corporate influence"). Dies sei deutlich an den Diskussionen über die amerikanische Gesundheitspolitik zu spüren.
Allerdings lässt er keinen Zweifel daran, dass die großen Konzerne auch jeden anderen Reformversuch, der nicht in ihrem Interesse abläuft, zu einem Spießrutenlaufen zwischen Lobbyarbeit und Lügen ("gantlet of lobbying and lies") machen würden.
Auf diese Weise werde ein zutiefst disfunktionales politisches System durch fest eingewurzelte Interessen aufrechterhalten, so Krugman.
Wie weit Deutschland auf diesem Weg ebenfalls vorangekommen ist, ist leicht an der Berichterstattung über tagespolitische Auseinandersetzungen abzulesen.
Freitag, 29. Mai 2009
Sonnenuntergänge bei gedruckten Zeitungen - Ein amerikanischer Trend?
Interessante Einblicke in die neuesten finanziellen Strategien amerikanischer Zeitungsverleger liefert die amerikanische Webseite "www.newspaperdeathwatch.com".
Dargestellt werden Versuche, die zahlungskräftige Kundschaft noch einmal durch kräftige Preiserhöhungen für gedruckte Ausgaben zu melken, um danach auf das Internet auszuweichen. Überschrift: "Publishers Milk Circulation Revenue". So wird nach diesen Informationen beispielsweise die New York Times ab 1. Juni 2009 um 33 Prozent teurer, kostet also künftig zwei Dollar. Die ins Haus gelieferte Wochenendausgabe kostet sogar sieben Dollar.
Auf der Webseite wird dies als "Sonnenuntergangsstrategie für gedruckte Zeitungen" interpretiert. "Treating print as a cash cow enables publishers to plow whatever profits are left into new platforms. Their companies will grow smaller over time, but at least they’re more likely to have a future", lautet möglicherweise die Parole im amerikanischen Zeitungswesen.
Dargestellt werden Versuche, die zahlungskräftige Kundschaft noch einmal durch kräftige Preiserhöhungen für gedruckte Ausgaben zu melken, um danach auf das Internet auszuweichen. Überschrift: "Publishers Milk Circulation Revenue". So wird nach diesen Informationen beispielsweise die New York Times ab 1. Juni 2009 um 33 Prozent teurer, kostet also künftig zwei Dollar. Die ins Haus gelieferte Wochenendausgabe kostet sogar sieben Dollar.
Auf der Webseite wird dies als "Sonnenuntergangsstrategie für gedruckte Zeitungen" interpretiert. "Treating print as a cash cow enables publishers to plow whatever profits are left into new platforms. Their companies will grow smaller over time, but at least they’re more likely to have a future", lautet möglicherweise die Parole im amerikanischen Zeitungswesen.
Manipulierte Zahlen über Arbeitslosigkeit täuschen ein Wende zum Besseren vor - Joachim Jahnke mit Hintergrundinformationen...
Die Berichterstattung über die aktuelle Wirtschaftskrise stürzt sich häufig auf die Darstellung kurzer Ausschnitte der Entwicklung. So finden sich Meldungen über sinkende Arbeitslosenzahlen, ohne dass der Zusammenhang analysiert würde.
Dazu müssten beispielsweise statistische Manipulationen gehören, mit deren Hilfe die Zahl der Arbeitslosen scheinbar nach unten gedrückt wird, ohne dass dies in der Wirklichkeit passiert werde. Fachleute sprechen dann bestenfalls verschleiernd von "statistischen Effekten", verzichten aber oft auf kritische Bemerkungen über die dahinter stehenden politischen Absichten.
Wer an kenntnisreichen Erläuterungen der Hintergründe der Arbeitslosenstatistik interessiert ist, findet Auskunft im "Informationsportal Globalisierung" bei Joachim Jahnke.
Dazu müssten beispielsweise statistische Manipulationen gehören, mit deren Hilfe die Zahl der Arbeitslosen scheinbar nach unten gedrückt wird, ohne dass dies in der Wirklichkeit passiert werde. Fachleute sprechen dann bestenfalls verschleiernd von "statistischen Effekten", verzichten aber oft auf kritische Bemerkungen über die dahinter stehenden politischen Absichten.
Wer an kenntnisreichen Erläuterungen der Hintergründe der Arbeitslosenstatistik interessiert ist, findet Auskunft im "Informationsportal Globalisierung" bei Joachim Jahnke.
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