Sonntag, 19. September 2010

Dreiste und zukunftsblinde Atompolitik der Bundesregierung, Arm in Arm mit den Energiekonzernen - Die deutsche Mainstream-Presse hält andere Themen für viel wichtiger...

Seestadtpresse Bremerhaven - In Berlin demonstrieren am 18. September 2010 (nach Angabe der Veranstalter) rund 100000 Menschen gegen die Atompolitik der konservativen Bundesregierung, und unserer Mainstream-Presse ist das kaum ein Wort wert (zumindest nicht in ihren Online-Ausgaben).

Der Spiegel titelt am Tag danach "Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus", der stern rückt einen satirischen Wochenüberblick unter der Überschrift "Schnee, Fleisch und andere Drogen" weit nach oben, und selbst die Süddeutsche Zeitung hält offensichtlich ein Gespräch zwischen Sarah Wagenknecht und Hans-Dieter Sinn für erheblich wichtiger.

So entstehen wirre Welt-Bilder in den Köpfen der Bundesrepublikaner: Da kann eine Bundesregierung immer dreister Lobby-Interessen vertreten und gegen jede Vernunft die Atomenergie und ihre Konzerne weiterhin finanziell fördern - und die Mainstream-Presse will diesen Skandal nicht ins Blickfeld rücken. 

Der Spiegel organisiert in seinem Online-Auftritt sogar Unterstützung für die Politik der Bundesregierung und wirbt für das neue Spiegel-Titelthema "Der teure Traum von der sauberen Energie".

Samstag, 18. September 2010

Nordsee-Zeitung in Bremerhaven will ordentlich Geld mit ihrem "Leserkalender" verdienen - Jeder Anruf zur Auswahl der Fotos kostet 50 Cent...

Seestadtpresse Bremerhaven - Sogenannte Zusatzgeschäfte sind für Zeitungsverlage eine finanzielle Verlockung, und auch die Nordsee-Zeitung spielt auf diesem Feld munter mit.

Ein Beispiel dafür ist der "Leserkalender 2011", der gerade mit Hilfe einer Abstimmung in der Leserschaft zusammengestellt wird.

Wie die Nordsee-Zeitung damit zusätzliches Geld verdienen kann?

Zuerst einmal selbstverständlich durch den Verkauf der Kalender, denn da werden sich außer den Bremerhaven-Fans auch die Fotografen kräftig ins Zeug legen, um ihren Bekannten und Freunden ein Dokument ihrer kameralistischen Fähigkeiten präsentieren zu können.

Geld verdienen ist aber auch während des Auswahlverfahrens angesagt - das zeigt ein Blick auf die Art dieses Verfahrens. Da werden nämlich für jeden Kalendermonat zwölf Motive zur Auswahl angeboten, aus denen die Mitmacherinnen und Mitmacher ihr "Favoritenfoto" telefonisch anwählen sollen.

Wer das für jeden Monat tut, muss also zwölf mal eine Telefonnummer wählen.

Was in der Nordsee-Zeitung nicht ganz so groß erwähnt wird, sind die Kosten einer solchen Teilnahme: Da jeder Anruf aus dem Festnetz 50 Cent kostet, müsste ein eifriger Teilnehmer am Ende 6 Euro Gebühren auf den Tisch legen. Ausdrücklich erwähnt wird, dass es aus Mobilfunknetzen noch teurer werden kann.

Und wer als Teilnehmer sein Foto besonders tatkräftig in den Kalender hinein wählen möchte, könnte mit einem Einsatz von vielleicht 50 Euro Telefongebühren schon ein bisschen was beschicken.

Was die angebotene Verlosung einer digitalen Spiegelreflexkamera "unter allen Teilnehmern" angeht, sollte Folgendes beachtet werden: Die Kamera wird selbstverständlich nicht unter den teilnehmenden Anrufern verlost, weil die gar keine Adresse hinterlassen, sondern nur unter den "Teilnehmern", die einen Kalender bestellen (!). 

Insofern ist die große Botschaft "Sie können gewinnen!" zumindest ein wenig irreführend, soll hier leise angemerkt werden.

Donnerstag, 16. September 2010

Bremerhaven: Wenn der Staat oder die Stadt baut, wird es oft teurer als geplant - Magazin "Panorama" mit einem interessanten Beitrag...

Seestadtpresse Bremerhaven - Seestadtpresse-Leser Andreas Müller entdeckte auf der Webseite von "Panorama" einen interessanten Hinweis.  Überschrift: "Kostenexplosion: Wenn der Staat baut".

Zitat von der Webseite: "Nach Recherchen von Panorama haben diese Kostenexplosionen bei öffentlichen Bauten offenbar System. Kenner der Branche bestätigen, dass Politiker aus Bund, Länder und Kommunen bestrebt sind, niedrig zu kalkulieren, um die Zustimmung ihrer Parlamente für Prestigeprojekte überhaupt erst zu bekommen."

Das erleben wir auch in Bremerhaven, meint Seestadtpresse-Leser Müller und weist darauf hin, dass der Bremerhavener Oberbürgermeister Jörg Schulz in dem Panorama-Beitrag mit etwas merkwürdigen Feststellungen zu Wort kommt.

Panorama leitet den Schulz-Auftritt so ein: "Bürgermeister Schulz erfüllte sich den Traum von Klein-Dubai an der Weser - die sogenannten Havenwelten."

Schulz über die seinerzeit genannten Mehrkosten von 32 Millionen Euro: "Es ist doof, dass es mehr kostet, aber es ist schön, dass das Klimahaus und die Havenwelten angenommen werden."

Kommentar von Andreas Müller: "Doof ist es auch, wenn die Wähler bei der nächsten Wahl wegbleiben oder die Kreuze an der anderen Stelle machen."

Mittwoch, 15. September 2010

Bremerhaven: Industrie- und Handelskammer (IHK) präsentiert mit Hilfe der Nordsee-Zeitung (NZ) wegweisende Banalitäten für die Zukunft der Stadt - NZ als IHK-Vereinsblättchen missbraucht...

Seestadtpresse Bremerhaven - Die Nordsee-Zeitung muss sich von ihrer Verlegerin Roswitha Ditzen-Blanke wieder einmal als Vereinsblatt der Industrie- und Handelskammer (IHK) missbrauchen lassen. Angeblich erarbeitete der IHK-Arbeitskreis Wirtschaft ein "Schwerpunktpapier" mit (mitteilenswerten) "guten Ideen für die Region".

Ein Blick auf die ersten beiden Folgen zeigt: Es werden erneut IHK-Banalitäten in die Öffentlichkeit transportiert, um das Geldverdienen der Arbeitskreismitglieder und anderer regionaler Unternehmer zu befördern. 

Teil 1 erschien am Sonnabend, dem 11. September 2010, in der Nordsee-Zeitung. In der Überschrift wird eine geradezu bahnbrechende Erkenntnis mitgeteilt: "Investitionen in die Zukunft: Der Hafen".

Warum nur ist niemand vorher auf diesen großartigen Gedanken gekommen? Warum musste erst die IHK mit ihrem "Schwerpunktpapier" den Bremerhavenern die Augen öffnen?

Im einzelnen präsentiert die Nordsee-Zeitung bemerkenswerte IHK-Erkenntnisse, zum Beispiel dass der Hafentunnel an der Cherbourger Straße den Wünschen der Unternehmerschaft entspricht. Als "weiteres Anliegen der IHK" nennt die NZ den Bau der Küstenautobahn. Und schließlich fordert die IHK die Fortsetzung des Bemühens um "optimale Logistikflächen".

Hafenanbindung, Küstenautobahn, Logistikflächen für den Hafen - solche Forderungen blitzen geradezu vor Einfallsreichtum.

Aber das war's dann schon mit den "guten Ideen" der IHK für die Region - zumindest in der ersten Folge.

Am heutigen Mittwoch, dem 15. September 2010, dürften viele Leserinnen und Leser in der von ihnen bezahlten Nordsee-Zeitung mit Spannung auf die unbezahlte Eigenwerbung der Industrie- und Handelskammer gewartet haben. Nun kommt die Maritime Industrie unter die gnadenlose IHK-Lupe.

Ganz nagelneu ist der erste Vorschlag - ein neues Großdock für die Werften. Allerdings gesteht die Nordsee-Zeitung sofort ganz ausdrücklich ein, dass es "solche Überlegungen in der Seestadt bereits seit mehreren Jahren gibt".

Aber nun kommt es dicke: Die IHK setzt sich ohne Wenn und Aber dafür ein, dass die Offshore-Windenergie weiter voran gebracht wird.

Potzblitz aber auch - Offshore-Windenergie!

Etwas rätselhaft ist zunächst die NZ-Aussage über eine zentrale Forderung der IHK in dieser Angelegenheit: "Bremerhaven müsse auf der Luneplate als Basishafen für die Offshore-Windenergie positioniert werden", meint angeblich die IHK. Basishafen auf der Luneplate?

Gleich danach findet sich die Erläuterung, dass der Hafen wohl doch nicht an einem der Gräben auf der Luneplate gebaut werden soll, sondern in der Nähe des Regionalflughafens Luneort. Der müsse an den Bedarf der Windenergie angepasst werden, heißt es in bestürzender Klarheit.

Die NZ-Leserschaft darf gespannt sein, wie es mit dem IHK-Krimi weitergeht. Es sollen dank der engagierten NZ-Verlegerin noch insgesamt acht weitere Folgen mit solchen Banalitäten erscheinen.

Montag, 13. September 2010

Bremerhaven: "Peter-Grimes"-Inszenierung im Stadttheater im Weser-Kurier als "fulminant" bewertet - Inszenierung von Petra Luisa Meyer...

Seestadtpresse Bremerhaven - Auch der Weser-Kurier (WK) charakterisiert in seiner Ausgabe vom 13. September 2010 die "Peter-Grimes"-Inszenierung im Bremerhavener Stadttheater als "fulminante, bewegende Produktion".

WK-Autor Markus Wilks spricht von einer "neuen Ära in Bremerhaven" und nennt Petra Luisa Meyers Inszenierung "eine der besten Produktionen der letzten Jahre". Sie sei "spektakulär" und "ein Meilenstein in der Geschichte des Stadttheaters".

Wilks' Einschätzung: "Steht das hohe musikalische Niveau für Bremerhavener Kontinuität, symbolisieren Regie (Petra Luisa Meyer) und Ausstattung (Okarina Peter, Timo Dentler) perfekt den Aufbruch..."

Die Seestadtpresse-Kritik vom 12. September 2010 ist hier nachzulesen.

Sonntag, 12. September 2010

Stadttheater Bremerhaven: Großartige Inszenierung von Benjamin Brittens "Peter Grimes" - Petra Luisa Meyer sorgt für fulminanten Start der neuen Intendanz...

Seestadtpresse Bremerhaven - Mit einem geradezu unglaublichen Assoziations- und Bilderreichtum bringt Petra Luisa Meyer eine spannende und emotional berührende Inszenierung von Benjamin Brittens Oper "Peter Grimes" auf die Bühne des Stadttheaters Bremerhaven.

Bühnenbild und Ausstattung von Okarina Peter und Timo Dentler spielen dabei eine prägende Rolle. Das engagierte Ensemble und insbesondere der einfallsreich geführte Chor markiert (hoffentlich) einen Wendepunkt des hiesigen Theaterlebens.

Nach der Premiere am 11. September 2010 gab es langen Beifall eines begeisterten Publikums. Der neue Intendant Ulrich Mokrusch sorgte mit dieser mutigen Wahl für Aufbruchstimmung am Stadttheater Bremerhaven, das in den vergangenen Jahren immer stärker in den lähmenden Alltag eines mittelmäßigen Stadttheaters abgerutscht war.

Selbstverständlich ist Brittens Oper (im Opernführer als "eine der meistaufgeführten Opern der gemäßigte Moderne" charakterisiert) für musikalische Barbaren wie mich eine echte Herausforderung. Aber im Zusammenspiel mit den Bildern auf der Bühne entsteht ein großartiges Kunstwerk, das inhaltlich klar und differenziert ist und die Kraft der Musik zur Erhellung der Aussage und zur Erhöhung der Gesamtwirkung nutzt.

Interessant ist übrigens auch die inhaltliche Botschaft der Oper: Denn Peter Grimes versucht in einer bigotten religiösen Gemeinschaft wie ein Getriebener geschäftlich erfolgreich zu sein und geht dabei konsequent (und leidend) über Leichen. Die religiösen Spießer in seinem Umfeld halten sich wegen ihres Glaubens für moralisch erhaben, obwohl die Moral ihres eigenen Lebens von moralischen Blindstellen nur so strotzt.

Wer zu dieser Inszenierung ins Bremerhavener Stadttheater geht, wird mit einem emotionalen und intellektuellen Abenteuer von herausragender Qualität belohnt, meine ich als Dilettant der Theaterkritik.

Also: Unbedingt hingehen!

Freitag, 10. September 2010

Bremerhaven: Kerzenlicht statt Scheinwerfer - FAZ beleuchtet die Haushaltslage der Stadt nur mit geringer Wattzahl - Dramatische Lage der Stadt mit ihrer übergroßen kommunalen Infrastruktur wird nicht sichtbar...

Seestadtpresse Bremerhaven - Ein enttäuschendes Beispiel für oberflächlichen Journalismus liefert die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrer gedruckten Ausgabe vom 10. September 2010, und das im Rahmen der Serie "Geldnot im Rathaus" ausgerechnet am Beispiel Bremerhavens.

"Filetstücke und verfallende Altbauten. Bremerhaven hat sich herausgeputzt und vieles mit Krediten finanziert", lautet die Überschrift und deutet damit zumindest einige Probleme der Stadt an.

Erfolge bei der Ansiedlung von Windkraftanlagenbauern und im Tourismus werden als Aufhänger für die Darstellung genommen und mit dürren Worten so kommentiert: "Bremerhaven hat sich sein neues Gesicht viel Geld kosten lassen. Seit Jahrzehnten hat es mehr ausgegeben als eingenommen."

Erwähnt wird der "Schuldenberg", der im laufenden Jahr auf "mehr als 1 Milliarde Euro" anwachsen wird. Aber immerhin habe sich das Gewerbesteueraufkommen seit 2005 mehr als verdoppelt - "auf fast 34 Millionen Euro", setzt die FAZ dagegen.

Bremerhaven habe "trotz aller Aufschwungtendenzen ein zweites, hässlicheres Gesicht", berichtet die FAZ unter Verweis auf verfallende Bauten in ärmeren Stadtteilen. 

Auskunftgeber für den FAZ-Text sind Baustadtrat Volker Holm und BIS-Wirtschaftsförderer Nils Schnorrenberger. Ein Gespräch mit  Stadtkämmerer Michael Teiser hat es offensichtlich nicht gegeben - der hätte vielleicht über die "Geldnot im Rathaus" etwas kompetenter Auskunft geben können.

Vollkommen unerwähnt bleiben in dem FAZ-Text die enormen strukturellen Haushaltsprobleme der Stadt. 

Immerhin leistet sich Bremerhaven mit dem Stadttheater, dem Zoo am Meer, drei völlig erneuerten Bädern, mehreren Museen usw. eine erstaunlich umfangreiche kommunale Infrastruktur. So etwas musste andernorts längst eingedampft werden, während es in Bremerhaven bis heute permanent ausgeweitet wurde.

Dass auch das Klimahaus und das Deutsche Auswandererhaus im Rahmen der Havenwelten Bestandteile dieser kommunalen Infrastruktur sind und mit riesigen Folgekosten unausweichlich zu einer noch anwachsenden "Geldnot im Rathaus" der Stadt beitragen werden, wollte oder konnte die FAZ nicht in Erfahrung bringen.

Zu einer soliden Analyse hätte ebenfalls gehört, die langfristigen Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro wenigstens anzudeuten. Und dass es bei der Verschuldung eine Version gibt, die nur die Haushaltszahlen nennt, und eine andere, die auch die Verschuldung der Stadt mit Hilfe der privatisierten Gesellschaften einbezieht, ist auch nicht gerade ein Geheimnis.

In der FAZ findet sich leider keine Spur solcher Art tiefer gehender Analysen.

Schade, weil die FAZ damit eine Gelegenheit verpasst hat, die Haushaltsprobleme Bremerhavens wenigstens einmal kenntnisreich zusammenzustellen.

In anderen Teilen der Serie "Geldnot im Rathaus" ist das jedenfalls etwas besser gelungen.