Donnerstag, 18. Dezember 2008

Die Nordsee-Zeitung wirbt weiter für die IHK-Forderung nach längeren Öffnungszeiten im Einzelhandel...


"Händler kämpfen weiter für Sonntagsöffnung", vermeldet die Nordsee-Zeitung am 18. Dezember 2008 auf der ersten Seite ihres Lokalteils. Im Text erwähnt werden nur ältere Argumente aus Kreisen der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Von Protesten aus der Arbeitnehmerschaft gegen vermehrte Sonntagsarbeit, beispielsweise von der Gewerkschaft ver.di, ist nirgends etwas zu finden. Diese kritische Position wird in der NZ nicht erwähnt.

Hingewiesen wird im Text auf den langen Einkaufsabend am folgenden Sonnabend. Er wird ausdrücklich als Reaktion "auf den vom Senat verbotenen verkaufsoffenen Sonntag am ersten Advent" charakterisiert. Gleich daneben befindet sich eine Anzeige, die Werbung für den verlängerten sonnabendlichen Einkauf macht.

Zeigt sich in einer solchen Berichterstattung der einzigen Bremerhavener Tageszeitung eigentlich die gebotene Distanz zu den Lobbypositionen der IHK, die nach eigener Einschätzung nicht für den gesamten Einzelhandel sprechen kann?

Kommentare:

Sven Albrecht hat gesagt…

Seit mehreren Monaten kämpfen wir als Fachgruppe gegen weitere Ansiedlung von Einzelhandel und gegen eine geplante Sonntagsöffnung der Bremerhavener Innenstadt. Es ist schwer, wenn Journalisten der Nordsee-Zeitung mit einem Defizit an Kenntnis des Einzelhandels, soclhe Berichte veröffentlichen.
Als Fachgruppe fordern wir einen Mindestlohn im Einzelhandel bzw. die allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrages, aller Tarifverträge, um den Einzelhandelswettbewerb gleich zu gestalten. Im Moment sind die Verlierer dieses Konkurenzkampfes die Unternehmen, die noch sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze anbieten. Die "großen" Gewinner des Wettbewerbs sind die Unternehmen, die im massiv Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor anbieten. Dieses subventioniert durch unsere Steuergelder. Eine Sonntagsöffnung vernichtet massiv sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Dieses scheint den unwissenden zwei Journalisten der NZ, Herrn M. und Herrn H., nicht zu interessieren. Mehrmals habe ich versucht, Leserbriefe, mit handfesten Argumenten, in der NZ zu veröffentlichen. Einmal wurde ich zurück gerufen und mir wurde gesagt, ich könne keinen Leserbrief veröffentlichen, weil ich - kein Bürger der Stadt bin - sondern Mandatsträger. Ich habe dann darum gebeten, einen Standpunkt zu veröffentlichen. Dieses wurde mir auch zugesagt. Das ist vier Wochen her.
Die NZ schreibt nur das, was diese Zeitung schreiben möchte, ohne Rücksicht auf die kommenden Konsequenzen. Wir diskutieren in Bremerhaven darüber, das der "arme" Tourist am Sonntag vor einer verschlossenen Tür stehen könnte, wir diskutieren aber nicht über die Frauen, die an einem Sonntag für 4 Euro die Stunde arbeiten soll/muss. Dieses Ladenschlussgesetz des Landes Bremen wurde mit den Stimmen unserer Bremerhavener Politiker verabschiedet. Man kann als Politik nicht einfach ein Gesetz ändern, nur weil es jetzt nicht mehr passt. Wenn dann auch noch die Journalisten dieses befürworten, dann wird dieses Land ein Stück weit gefährlich. Weder die Politik, noch die Journalisten der Nordsee-Zeitung haben die weitsicht, dieses zu verstehen. Über die CDU und CDA in Bremerhaven möchte ich mich nicht äußern, da dieses ein Stück weit sinnlos wäre.
Ich freue mich, das ich diese Homepage gefunden habe und ich sage Ihnen jegliche Unterstützung zu, um dieses Thema in die Bevölkerung zu bringen. Machen Sie weiter so.
Gruss,
Sven Albrecht
(Vorsitzender Gewerkschaft Ver.di Fachgruppe Einzelhandel Bremerhaven)

juwi hat gesagt…

"Die Händler", die auch am Sonntag ihre Nase nicht voll bekommen können, haben offensichtlich über zwei Fakten noch nicht ausreichend nachgedacht:

1.) Jeder von uns kann nur das Geld ausgeben, welches er von seinem Arbeitgeber für seine Arbeit bekommt. Je mehr Geringbeschäftigte es gibt, desto weniger Geld kommt bei den Händlern an; auch bei denen, die es am liebsten hätten, wenn ihre Mitarbeiter 12 Stunden am Tag für 400 Euro pro Monat für sie schuften würden.

2.) Dieses Geld, das jeder von uns für seine Arbeit erhält, kann jeder immer nur ein einziges Mal ausgeben. Das schaffen viele unter uns spielend innerhalb der jetzt bereits geltenden Öffnungszeiten, und wenn sie nicht jeden Euro dreimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben, können sie sich nach der dritten Woche des Monats den Weg in die Geschäfte der Händler sparen.

Ich persönlich kann gut auf "Shoppen am Sonntag" verzichten, und spreche den Beschäftigten im Einzelhandel das gleiche Recht auf einen Sonntag im Kreise ihrer Familien zu, wie ich es auch für mich in Anspruch nehme.

Ich wünsche dir alles Gute für das neue Jahr 2009.

Gruß,
juwi